Wie im richtigen Leben

Glückliche Kinder unterm Weihnachtsbaum – dieses Motiv gehört nicht nur in Westfalen seit Anbeginn des Schmalfilms zu den beliebtesten Szenen privater Familienfilme. Doch auch kommerzielle Kinofilme greifen immer wieder auf die Motive Kinder und Weihnachten zurück. In zwei Filmforen gehen die Universität Münster und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Kooperation mit dem Verein „Die Linse“ e.V. am 20. November und am 11. Dezember der Frage nach, worin sich die Bildsprache privater und professioneller Aufnahmen gleicht und worin sie sich unterscheidet.

Der erste Schultag, Szene aus einem Amateurfilm der 1970er Jahre. Foto: LWL
Der erste Schultag, Szene aus einem Amateurfilm der 1970er Jahre. Foto: LWL

„Seit der Popularisierung der Schmalfilmtechnik in den 1930er Jahren geben private Filme Einblicke in den gelebten Alltag von Familien. Obwohl sie ohne Drehbuch produziert wurden, haben diese Familienbilder von Beginn an eine komponierte Motivik, die allen gut bekannt ist: kleine Kinder, Weihnachten, Ausflüge und Reisen“, erläutert Prof. Dr. Elisabeth Timm, Kulturanthropologin am Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie der Universität Münster, die die Idee für die Filmreihe hatte.

Dass sie das LWL-Medienzentrum für Westfalen als Partner gewinnen konnte, freut Prof. Timm besonders deshalb, weil das Filmarchiv des LWL-Medienzentrums einen umfangreichen Bestand privater Familienfilme besitzt. „Aus Sicht der Kulturanthropologie sind diese privaten Filme von hohem Erkenntniswert: In anschaulicher Weise zeigen sie die normative Kraft solcher Vorstellungen von Kindheit, die der Dramaturgie fast aller dieser Filme zugrunde liegt“, so Timm.

Bescherung unterm Weihnachtsbaum, Szene aus einem Amateurfilm der 1970er Jahre. Foto: LWL
Bescherung unterm Weihnachtsbaum, Szene aus einem Amateurfilm der 1970er Jahre.
Foto: LWL

In den beiden Filmforen werden erstmals Ausschnitte dieses wertvollen Materials öffentlich präsentiert, kulturhistorisch erläutert und mit Ausschnitten aus Kinofilmen der 1950er bis 1990er Jahre verglichen, die das öffentliche Bild der Familie im 20. Jahrhundert mit geprägt haben.

Dafür stehen neben Prof. Elisabeth Timm auch die Kulturanthropologin Dr. Astrid Baerwolf sowie der Filmhistoriker Ernst Schreckenberg als Experten zur Verfügung. Leitende Fragestellungen für ihre Einführungen sind u.a.: Wer führt Regie bei der häuslichen Bildproduktion? Welchen Wandel der Kindheit dokumentieren die privaten wie die professionellen Filmbilder? Dürfen Kinder im Familienfilm weinen? Warum ähneln sich alle Weihnachtsfilme? Gibt es Übertragungswege zwischen Kino und privaten Filmen?

Die Filme im Überblick:

Mittwoch, 20.11.2013, 19.00 Uhr im Cinema Münster
„Die schöne Kindheit im Jahrhundert des Kindes“

Dr. Astrid Baerwolf, Kulturanthropologin
Ernst Schreckenberg, Filmhistoriker

Mittwoch, 11.12.2013, 19.00 Uhr im Cinema Münster
„Weihnachten: Die wahre Geschichte“

Prof. Dr. Elisabeth Timm, Kulturanthropologin
Ernst Schreckenberg, Filmhistoriker

Beide Filmforen finden im Cinema Münster an der Warendorfer Str. 45 in 48145 Münster statt. Karten: www.cinema-muenster.de oder Tel. 0251-30300, Eintritt: 6 Euro/ermäßigt 4,50 Euro

Weitere Informationen: http://www.lwl-medienzentrum.de, http://www.cinema-muenster.de

LWL-Medienzentrum für Westfalen
Fürstenbergstr. 14
48147 Münster
Karte und Routenplaner

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