Wie aus Alltagsdingen Museumsstücke werden

Die LWL-Tagung fragt danach, was mit Dingen geschieht, die ins Museum kommen? Foto: LWL/Hochgartz
Die LWL-Tagung fragt danach, was mit Dingen geschieht, die ins Museum kommen?
Foto: LWL/Hochgartz

Bocholt (lwl). „Metamorphosen der Dinge. Sammeln – Zeigen – Forschen“, lautet der Titel einer Tagung, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am 24. und 25. Oktober in Bocholt veranstalten. Bei der Tagung stellen die Volkskundliche Kommission für Westfalen und das LWL-Industriemuseum Bocholt das Museum als Hort für Objekte auf den Prüfstand. „Wir möchten nachfragen, wie und warum sich unsere Sicht auf Gegenstände verändert, wenn sie ins Museum kommen und dort ausgestellt werden“, erläutert LWL-Museumsleiter Dr. Hermann-Josef Stenkamp. „Als Museumswissenschaftler sind wir in der Pflicht, unsere Arbeit kritisch zu hinterfragen: Was bewahren wir auf, was stellen wir aus? Welche Zusammenhänge werden durch unsere Arbeit erst geschaffen?“

Solche Fragen scheinen sehr abstrakt zu sein, doch wer den Kunstmarkt aufmerksam verfolgt, der weiß, wie die Preise für die Bilder eines Malers in die Höhe schnellen, sobald sich ein renommiertes Museum dafür interessiert. „Der Glaube daran, dass das, was sich in einem Museen befindet, etwas wert ist, gehört zu unseren gesellschaftlichen Grundüberzeugungen“, erläutert Christiane Cantauw, Geschäftsführerin der Volkskundlichen Kommission für Westfalen des LWL. „Selbstverständlich lassen sich die Werte, die die Dinge im Museum repräsentieren, nicht unbedingt in Euro ausdrücken. Der Geldwert einer Egge oder einer Kinderwiege von 1850 ist nicht sonderlich hoch, aber diese Dinge werden im Museum plötzlich bedeutsam. Sie sind nun quasi eine Nabelschnur, die uns mit der Vergangenheit verbindet.“

Das LWL-Textilwerk und die Volkskundliche Kommission haben zahlreiche Wissenschaftler aus ganz Deutschland nach Bocholt eingeladen, um diese Zusammenhänge zu diskutieren.

In einem öffentlichen Abendvortrags wird Professor Gudrun König von der TU Dortmund das Geflecht von Objekt und Museum allgemeinverständlich entwirren und das Publikum mitnehmen auf eine Reise auf den Spuren der Museumsdinge. „Anhand verschiedener historischer Beispiele möchte ich die Transformation von Alltags- in Museumsdinge näher betrachten. Im Mittelpunkt wird dabei die Frage stehen, wie die Musealisierung historische Artefakte als Zeuge und Beleg zurichtet“, erläutert König. In dem Vortrag werden auch Ergebnisse der von der VW-Stiftung geförderten Forschungskooperation zu dem volkskundlichen Sammler Oskar Spiegelhalder vorgestellt, der in den Jahren 1896 bis 1929 drei Sammlungen an süddeutsche Museen verkaufte.

Der Vortrag, für den kein Eintritt erhoben wird, beginnt um 20 Uhr im Drosselsaal 2 (2. Obergeschoß) des Textilwerkes Bocholt.

LWL-Einrichtung:
Volkskundliche Kommission für Westfalen
Scharnhorststr. 100
48151 Münster
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