Wanderarbeit: Mensch – Mobilität – Migration

Erntehelfer aus Polen - hier beim Spargelstechen in der Region Lippe - gehören zu den Tausenden von Saisonarbeitskräften, die jeden Sommer vor allem aus Ost- und Mitteleuropa nach Deutschland kommen. Foto: LWL/Holtappels
Erntehelfer aus Polen – hier beim Spargelstechen in der Region Lippe – gehören zu den Tausenden von Saisonarbeitskräften, die jeden Sommer vor allem aus Ost- und Mitteleuropa nach Deutschland kommen. Foto: LWL/Holtappels

Petershagen (lwl). Angebot und Nachfrage bestimmen seit langer Zeit, wo die Menschen Arbeit finden. Angehörige ganz verschiedener Berufsgruppen ziehen für ihre Arbeit von einem Ort oder sogar einem Land zum anderen. Diesem aktuellen Thema widmet sich die Ausstellung „Wanderarbeit. Mensch – Mobilität – Migration. Historische und moderne Arbeitswelten“ des LWL-Industriemuseums. Am Samstag (22.11.) lädt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) um 15 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung in sein Industriemuseum Glashütte Gernheim in Petershagen ein.

Wirtschaftliche Not trieb viele Männer aus der Region um Petershagen Mitte des 19. Jahrhunderts dazu, sich bei Reedereien an der Nordsee als Heringsfänger zu verdingen. Foto: Heimat- und Heringsfängermuseum Heimsen
Wirtschaftliche Not trieb viele Männer aus der Region um Petershagen Mitte des 19. Jahrhunderts dazu, sich bei Reedereien an der Nordsee als Heringsfänger zu verdingen. Foto: Heimat- und Heringsfängermuseum Heimsen

Die Ausstellung betrachtet die verschiedenen Formen der Wanderarbeit, die aufgrund von Armut, mangelndem Nahrungsangebot oder auch fehlender Nachfrage erfolgen kann. Außerdem beschreibt sie die sozialen und ökonomischen Auswirkungen, die mit dem Verlust von Heimat einhergehen. Für die historische Wanderarbeit stehen beispielsweise die Schäfer, Ziegler und Heringsfänger.

Ebenso werden die modernen Ausprägungen von Wanderarbeit gezeigt, wie etwa das Leben von Bauarbeitern und Pflegekräften aus Osteuropa, von Berufspendlern sowie von afrikanischen Flüchtlingen auf Lampedusa. Durch die gezielte Beleuchtung individueller Schicksale werden die Lebensumstände vieler Menschen greifbar.

Für die Glashütte Gernheim ist das Thema Wanderarbeit besonders relevant. „Die Glasmacher, die dort im 19. Jahrhundert mit der Produktion begannen, waren Zugezogene“, erläutert LWL-Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus. Die Ausstellung geht aber noch weiter zurück: Die sogenannten Waldglashütten der Frühen Neuzeit wählten ihren Standort danach aus, wo es Holz zum Feuern der Öfen gab. Nach 15 bis 20 Jahren zogen diese Hütten weiter.

Über 100 Jahre alt ist dieser Schäferkarren aus Wörderfeld im Kreis Detmold. Er steht in der Ausstellung für den Wanderschäfer - einen der ältesten Berufe der Welt. Foto: LWL
Über 100 Jahre alt ist dieser Schäferkarren aus Wörderfeld im Kreis Detmold. Er steht in der Ausstellung für den Wanderschäfer – einen der ältesten Berufe der Welt. Foto: LWL

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg spielte Arbeitsmigration in der Glasproduktion eine wichtige Rolle. So befand sich unter den sudetendeutschen und schlesischen Flüchtlingen eine viele Fabrikanten und Beschäftigte aus der Glasbranche. „Am Beispiel des Glasgestalters und Fabrikanten Richard Süßmuth zeigen wir in unserer Ausstellung ein Schicksal dieser Zeit“, so die LWL-Museumsleiterin. Das „Wirtschaftswunder“ der 1950er Jahre mit seinem ständig steigenden Bedarf an Arbeitskräften war Anlass dafür Arbeiter aus Italien, Griechenland, der Türkei und anderen Ländern anzuwerben. Die Firma Heye-Glas in Obernkirchen beschäftigte seit 1960 italienische Arbeiter, um 1971 war der Höchststand von 370 Arbeitern erreicht.

LWL-Einrichtung:
LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Gernheim 12
32469 Petershagen-Ovenstädt
Karte und Routenplaner

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