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Steinbildhauerkurs für Erwachsene

Ein eigenes Kunstwerk aus Stein erschaffen. Das können Teilnehmer eines Workshops, zu dem der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) von Freitag, 26. September, bis Sonntag, 28. September, in sein Industriemuseum Zeche Nachtigall einlädt. Mit Meißel und Eisen arbeiten die „Steinmetze“ auf dem Gelände der Zeche Nachtigall wieder Figuren aus dem hell-gelben Stein heraus. Für den Kurs mit der erfahrenen Steinbildhauerin Christina Clasen sind noch Plätze frei. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Kosten: 65 Euro inklusive Eintritt und Material. Anmeldung im LWL-Industriemuseum unter Tel. 02302 93664-0.

Christina Clasen (l.) mit einer Kursteilneherin beim Bildhauerworkshop auf Zeche Nachtigall. Foto: LWL/Holtappels
Christina Clasen (l.) mit einer Kursteilneherin beim Bildhauerworkshop auf Zeche Nachtigall.
Foto: LWL/Holtappels

Nach einer kurzen Enführung in die Werkzeug- und Materialkunde werden erste Erfahrungen in der Bearbeitung des Werkstoffs Stein mit Fäustel, Knüpfel und Meißel gesammelt. In einer kleinen Gruppe entstehen während des mehrtägigen Workshops erste selbst geschaffene Steinskulpturen.

Die Sandsteinbearbeitung hat in Witten Tradition. Bereits um 1900 wurde auf der Zeche Nachtigall am Hettberg nicht nur Kohle gefördert, sondern auch Sandstein gewonnen.

Der Workshop findet am Freitag von 18 bis 21 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 16 Uhr statt. Arbeitskleidung, Verpflegung und Getränke sind mitzubringen. Werkzeug und Schutzbrille werden gestellt.

LWL-Einrichtung:
LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Nachtigallstr. 35
58452 Witten
Karte und Routenplaner

Spinnen-Expedition auf Zeche Nachtigall

Die Kreuzspinne ist auch auf der Zeche Nachtigall zu Hause. Foto: pixelio/Waldili
Die Kreuzspinne ist auch auf der Zeche Nachtigall zu Hause.
Foto: pixelio/Waldili

Witten (lwl). Der Herbst hält Einzug im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall. In allen Ecken entdeckt man jetzt die kunstvoll gewebten Netze der Kreuzspinnen, aber auch viele andere Spinnenarten sind auf dem ehemaligen Industriegelände unterwegs. Bei der nächsten Zechen-Safari am Dienstag, 23. September, geht es mit mutigen und unerschrockenen Teilnehmern auf „Spinnen-Expedition“. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) lädt dazu von 15 bis 17 Uhr ein.

Gesucht und erforscht werden große und kleine Exemplare, Spinnen, die Netze bauen, ihre Beute auf dem Boden jagen oder in Zimmerecken ihren Opfern auflauern. „Doch keine Angst, selbst bei näherem Betrachten braucht sich keiner vor den Achtbeinern zu fürchten“, erklärt Expeditionsleiterin Birgit Ehses. Die kleinen Tiere sind zwar nicht besonders beliebt, dafür aber sehr geschickt und nützlich. Mehr über die Eigenschaften und Verhaltensweisen von Spinnen erfahren die Teilnehmer während der zweistündigen Expedition auf dem LWL Museumsgelände. Abschließend versuchen sie, selbst ein Spinnennetz zu bauen.

Die Teilnahme an der Zechen-Safari kostet 5 Euro inkl. Eintritt. Anmeldung unter Tel. 02302 93664-0 erbeten.

Zechen-Safari

Die Zechen-Safari ist ein Angebot für kleine und große Entdecker mit Spaß und Interesse an der Natur. An jedem 4. Dienstag im Monat steht ein anderes Thema auf dem Programm. Mehr Infos gibt es unter www.lwl-industriemuseum.de sowie im Faltblatt „Naturkalender Nachtigall 2012“, das im Museum erhältlich ist.

LWL-Einrichtung:
LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Nachtigallstr. 35
58452 Witten
Karte und Routenplaner

„Alles aus einem Berg“

Mit Helm auf Exkursion: Bei der Führung "Alles aus einem Berg" besuchen die Teilnehmer auch den Steinbruch in der Nähe der Zeche Nachtigall. Foto: LWL/Linke
Mit Helm auf Exkursion: Bei der Führung „Alles aus einem Berg“ besuchen die Teilnehmer auch den Steinbruch in der Nähe der Zeche Nachtigall.
Foto: LWL/Linke

Wie sah die Welt vor 300 Millionen Jahren aus? Im Ruhrtal kann man noch heute viele Spuren entdecken, die verraten, welche Pflanzen damals wuchsen und wie die Landschaft beschaffen war. Bei der interaktiven Führung „Alles aus einem Berg“ am Sonntag, 16. Februar, können Interessierte wieder in die Erdgeschichte vorstoßen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) lädt dazu um 14.30 Uhr in sein Industriemuseum Zeche Nachtigall nach Witten ein.

Rund um den Hettberg erfahren die Besucher, wie Kohleflöze und Sandsteinbänke entstanden sind, was eine Rostfahne ist und was sich im Boden unterhalb der Zeche Nachtigall verbirgt. Mit kleinen Experimenten gehen die Teilnehmer den echten und unechten „Steinen“ im Berg auf die Spur. Wer will, kann sich als Geologe betätigen und mit Hammer und Lupe die Fundstücke untersuchen.

Die Themenführung am Sonntag ist im Museumseintritt enthalten (Erwachsene 3 Euro, ermäßigt 2 Euro, Kinder 1,50 Euro, Familienkarte 7,50 Euro). Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldungen unter Tel. 02302 93664-0.

LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Nachtigallstr. 35
58452 Witten
Karte und Routenplaner

Erinnern für die Zukunft: Tafel in der Nordstraße macht (eine) Geschichte sichtbar

Erinnern hat viele Formen: Seien es Zusammenkünfte wie zuletzt am Montag, 27. Januar, zum Holocaust-Gedenken; seien es Stolpersteine; seien es Museen und Archive; oder seien es Geschichten, die in Büchern, auf Bildern oder auf Gedenktafeln erzählt werden.

Witten Gedenktafel Nordstraße 16 © Foto: Stadt Witten
Witten Gedenktafel Nordstraße 16
© Foto: Stadt Witten

Eine neue Gedenktafel kann man seit Montag (27.1.) am Haus Nordstraße 16 sehen und dort eine Geschichte lesen, die die Eigentümer des Hauses als Urheber der Tafel mit Recherche-Hilfe des Stadtarchivs Witten in Erfahrung gebracht haben. Hauseigentümer Kerstin und Hendrik Glathe: „Sich in ein über hundert Jahre altes Haus zu verlieben, es zu kaufen und zu bewohnen, heißt nicht nur, die architektonischen Vorzüge der Gründerzeit, wie hohe Räume, knarzende Holzdielen und Stuck verzierte Fassaden zu schätzen. Es bedeutet auch, neugierig zu sein auf die Menschen, die hier einmal gelebt haben, wissen zu wollen, ob sie glücklich oder traurig hier waren. Ein altes Haus macht Geschichte lebendig.“

Wittener begaben sich auf Spurensuche…

Also erkundigten  sie sich nach den Vorbesitzern, sammelten Geschichten von Zeitzeugen und erfuhren von dem konkreten Erleben einer Familie, zu einer Zeit, die den meisten nur abstrakt aus dem Geschichtsunterricht bekannt ist. Sie erfuhren von einer Familie, die in Witten glücklich war, deren zwei Söhne hier ihre Kindheit verbrachten, deren Vater Jude war. 1938 verließ diese Familie das Haus. „Warum?“, fragten sich die Glathes, und ihre Recherchen führten sie über die Wittener Lokalliteratur schnurstracks ins Stadtarchiv. „Die Vertiefung in die Akten, die Bilder, die fachkundige Betreuung durch die Mitarbeiter des Stadtarchivs entfächerten das Leben angesehener Wittener vor uns, und auch das abrupte Ende dieser scheinbaren Idylle.“

…und erlebten eine Überraschung

Zu den Recherchen kommt überraschend eine ganz persönliche Berührung mit der Geschichte, auf deren Spurensuche sich die Glathes machten: „Eines Tages bekamen wir überraschenden Besuch. Der jüngere Sohn der jüdischen Arztfamilie klingelte bei uns. Er ist alt und wollte das Haus seiner Kindheit noch einmal sehen, bevor er sterben würde. Uns wurde schlagartig bewusst, dass hier, wo wir uns so wohl fühlen, einmal eine Kindheit und eine Familie zerrissen wurden.“

In Absprache mit dem Stadtarchiv und mit dem dankbaren Einverständnis des letzten noch lebenden Familienmitglieds der in der Nazizeit vertriebenen Familie beschlossen die Hauseigentümer schließlich, diesen Baustein der Wittener Geschichte sichtbar zu machen. „Wir möchten den am Haus vorbei gehenden Menschen einen Gedanken mit geben, eine Erinnerung aufrechterhalten, die uns für die Zukunft lernen lässt“, laden Kerstin und Hendrik Glathe zum Lesen der Tafel ein.

Inschrift der Gedenktafel: „Erinnern für die Zukunft – Nordstraße 16″

Hier lebte von 1921 bis 1938 der Arzt Dr. Julius Böheimer mit seiner Frau Charlotte und seinen beiden Söhnen. Die Praxisräume befanden sich im Erdgeschoss. Als assimilierter Jude war Julius Böheimer in der Synagogengemeinde aktiv und ein in Witten anerkannter Bürger. In der Pogromnacht am 9. November 1938 flüchtete die Familie vor brutalen Angriffen der Nazis zu den Nachbarn.

Im Mai 1939 verließ die Familie Witten, da den Söhnen hier der Schulbesuch laut NS-Gesetz verweigert wurde. Die Familie fand Aufnahme bei der Mutter von Charlotte Böheimer in Köln.

Julius Böheimer konnte als „Krankenbehandler für Juden und Zigeuner“ in Köln noch einige Zeit praktizieren. Zweimal wurde er in ein KZ verschleppt, wobei er sich aufgrund einer Kriegsauszeichnung retten konnte. Sein älterer Sohn wurde zum Zwangsdienst verpflichtet und 1945 noch für zwei Monate in KZ-Haft verschleppt. Der jüngere Sohn konnte 13-jährig mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden.

Julius Böheimer verstarb 1958 in Köln im Alter von 67 Jahren.