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Studie untersucht Dortmunder Nordstadt

Das Ruhrgebiet ist bunt: Menschen aus verschiedenen Ländern haben hier eine neue Heimat gefunden. Neben Fachkräften zieht es aber zunehmend extrem arme Zuwanderer aus Ländern wie Bulgarien und Rumänien ins Ruhrgebiet. Diese Armutszuwanderung konzentriert sich seit einigen Jahren in wenigen Stadtteilen, was erhebliche Probleme für die Kommunen zur Folge hat. Obwohl dieser Umstand in aller Munde ist, gibt es bislang kaum empirische Studien zum Thema, die die Diskussion versachlichen könnten. Sebastian Kurtenbach vom Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung der RUB (ZEFIR) schließt die Forschungslücke, indem er die Dortmunder Nordstadt aus stadtsoziologischer Perspektive untersucht hat.

Forschung im Feld

Sebastian Kurtenbach M.A. © privat
Sebastian Kurtenbach M.A.
© privat

In seiner 67-seitigen Studie „Neuzuwanderer in städtischen Ankunftsgebieten. Rumänische und bulgarische Zuwanderer in der Dortmunder Nordstadt“ beleuchtet Kurtenbach, wie sogenannte Ankunftsgebiete beschaffen sind: Wie sind die Lebensbedingungen der Zuwanderer? Wie wird der öffentliche Raum genutzt? Welche ökonomische Infrastruktur ist vorhanden? Neben statistischen Daten setzt die Studie dabei auf eigene Beobachtungen: Im Sommer 2013 hat Kurtenbach drei Wochen lang an verschiedenen Plätzen in der Dortmunder Nordstadt – beispielsweise am Nordmarkt und in der Mallinckrodtstraße – Eindrücke protokolliert.

Ideale Bedingungen

Kurtenbach kommt zu dem Ergebnis, dass die Nordstadt ideale Bedingungen bietet, um Neuzuwanderern das Ankommen zu ermöglichen. Hier finden sie günstigen Wohnraum, Anschluss an Menschen, die dieselbe Herkunft haben, sowie erste Arbeitsgelegenheiten. Die ökonomische Infrastruktur – zum Beispiel Dienstleistungen für internationale Geldtransfers, um Geld in die alte Heimat zu schicken – hilft ihnen, sich zu integrieren. Das macht deutlich, dass Politik und Verwaltung diese Ankunftsgebiete stärken müssen, da sie eine wichtige Funktion der Aufnahme und Integration erfüllen. Zum Beispiel müsse man sich intensiver darum bemühen, die Zuwanderer für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren.

Keine Hilfe vom Bund

Bislang haben die Kommunen, die stark von der Armutszuwanderung betroffen sind, auf Hilfe der Bundesregierung gehofft. Diese zeigt sich aber hilflos und pocht auf Reformen in den Herkunftsländern der Armutszuwanderer. Diese Haltung hilft laut Kurtenbachs Studie weder den Kommunen noch den Armutszuwanderern. Seit 2007 sind Rumänien und Bulgarien Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die von dort stammenden Menschen haben dadurch das Recht, sich in Deutschland niederzulassen.

Die ZEFIR-Studie wurde aus Eigenmitteln des Instituts finanziert und kann kostenfrei bezogen werden.

Link:
Studie zum Download
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Universitäten und Fachhochschulen: Für ausländische Studenten attraktiv wie nie

Immer mehr ausländische Studierende entscheiden sich für ein Studium an einer nordrhein-westfälischen Hochschule. Im vergangenen Wintersemester hatte jeder neunte Studierende an Rhein und Ruhr einen ausländischen Pass. Die Zahl der ausländischen Studierenden erreichte damit einen Rekord: 71.275 ausländische Studierende waren im Wintersemester 2012/13 an einer NRW-Hochschule eingeschrieben.

Dabei ist der Anteil von Frauen (34.322) und Männern (36.953) nahezu gleich. Die größte Gruppe der ausländischen Studierenden stammt aus der Türkei (10.956), gefolgt von China (6.757) und Österreich (3.227) sowie der Russischen Föderation (3.227). Rund ein Drittel der ausländischen Studierenden hat die Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland oder an einer deutschen Auslandsschule erworben: Hier dominieren Studierende mit türkischem (9.036), griechischem (1.359) und italienischem (1.317) Pass.

Die meisten ausländischen Studierenden sind an der Fernuniversität in Hagen (7.022) eingeschrieben. Auf den Plätzen zwei und drei liegen die Universität Duisburg-Essen (6.161) und die RWTH Aachen (5.882). Bei den Fachhochschulen in der Trägerschaft des Landes ist die Kölner Hochschule mit 3.430 Studierenden der Spitzenreiter vor Aachen (2.086), der Fachhochschule Niederrhein (1.535) und der Fachhochschule Dortmund (1.531). An den staatlichen Kunst- und Musikhochschulen waren im vergangenen Wintersemester insgesamt 1.895 ausländische Studierende eingeschrieben – davon mehr als zwei Drittel aus Ländern außerhalb der EU.

Die Top-Zehn-Nationen

Türkei 10.956
China 6.757
Russische Föderation 3.227
Österreich 3.227
Polen 2.060
Ukraine 1.961
Bulgarien 1.894
Italien 2.242
Griechenland 2.024
Spanien 1.678

Kreative Ideen für die Forschung im Ruhrgebiet

Einen neuen, standortübergreifenden Forschungsrat hat die Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) geschaffen. 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum, der TU Dortmund und der Universität Duisburg-Essen gehören dem Rat an, darunter die drei Prorektoren für Forschung. Am 17. Oktober kamen die Mitglieder zur ersten Sitzung des neuen Gremiums zusammen. Ihr Ziel ist es, mit kreativen Ideen die Forschung im Ruhrgebiet zu stärken. Der Forschungsrat soll künftig aktiv dazu beitragen, bestehende Forschungskooperationen auszubauen und neue Projekte anzustoßen.

Über 100.000 Studierende, nahezu 1.300 Professorinnen und Professoren, mehrere hundert Studiengänge, über 20 gemeinsame Projekte und zehn Sonderforschungsbereiche: Mit diesen Kennzahlen ist die UAMR zu einem der größten und erfolgreichsten Hochschulverbünde Deutschlands geworden. Das enorme Potenzial gerade in der Forschung ist jedoch längst noch nicht ausgeschöpft. Der neue Forschungsrat der UAMR soll daher weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten, um den Hochschul- und Wissenschaftsstandort Ruhrgebiet national und international noch stärker zu machen.

Konkrete Handlungsfelder

Konkret wird der Forschungsrat unter anderem gemeinsame Initiativen zur Einwerbung von Sonderforschungsbereichen unterstützen, die Zusammenarbeit einzelner Fakultäten und Fächer intensivieren und ruhrgebietsweite Forschungsschwerpunkte identifizieren. In Zukunft soll es eine engere Abstimmung bei Berufungen und mehr gemeinsame Berufungen in der UAMR geben. Übergreifende Promotionsprogramme auf den Weg zu bringen und sich bei der Anschaffung von Großgeräten besser zu koordinieren, sind weitere Themenfelder, denen sich der Forschungsrat widmet.

UAMR

 

Ein Mensch, zwei Berufe

Es gibt Ingenieure, die nicht verkaufen können und Kundenberater, die ihre Produkte nicht verstehen – vor über zehn Jahren fand die RUB-Fakultät für Maschinenbau eine Lösung dieses Dilemmas: Sie bat Prof. Dr. Joachim Zülch, heute Inhaber des Lehrstuhls für Industrial Sales Engineering, einen grundständigen Studiengang aufzubauen, der beide Berufe kombiniert. Gesagt, getan: 59 Erstsemester nahmen zum Wintersemester 2003/04 ihr Studium in Sales Engineering and Product Management (SEPM) auf. Im Jubiläumsjahr bewarben sich 4.065 Interessierte auf 135 Plätze für das nun laufende Semester – insgesamt sind es derzeit 719 Bachelor- und Masterstudierende.

Einzigartig in Deutschland

„Deutschlandweit sind wir der einzige Bachelor- und Master-Studiengang dieser Art, der an einer Universität angeboten wird“, sagt Dr. Luis Barrantes. Er ist Studiengangkoordinator von SEPM und, mit Joachim Zülch und Dr. Sylvia Steinheuser, RUB-Stabsstelle Organisation – Entwicklung – Beratung, Teil des dreiköpfigen Gründungsteams. Gemeinsam mit der Fakultät für Maschinenbau der Ruhr-Uni überlegten sie, wie man aus reinen Maschinenbauern, Vertriebsingenieure und Produktmanager macht. Für SEPM ergänzten die zwei Psychologen und der Ökonom Barrantes die technische Ingenieursausbildung mit Angeboten aus den Wirtschaftswissenschaften, der Psychologie und Jura.

Im Vertrieb zu Hause fühlen

„Die Studierenden lernen typische Vertriebssituationen kennen, damit sie sich später da zu Hause fühlen, wo sie es als Ingenieure eigentlich nicht sind“, erklärt Barrantes. Vertriebsingenieure sind die Schnittstelle zwischen Kunden und Unternehmen und in der Lage, technisch hochkomplexe Produkte zu vertreiben, Kundenwünsche zu verstehen und für das eigene Unternehmen gewinnbringend zu verarbeiten. Produktmanager formulieren Marketingziele für ein bestimmtes Produkt und sind für dessen Positionierung am Markt verantwortlich. „Beide werden auch in den nächsten Jahren händeringend auf dem Arbeitsmarkt gesucht“, so Barrantes.

Jubiläumsfeier mit alten Bekannten

Zur Jubiläumsfeier „10 Jahre SEPM“ kamen am 18. Oktober ins Veranstaltungszentrum der RUB Absolventen, Dozenten und Förderer des Studiengangs und Vertreter der legendären „Kamingespräche“. Ein Markt der Möglichkeiten und eine Festschrift informierten zu verschiedenen Themen aus dem zehnjährigen Bestehen von SEPM.

Homepage des Studiengangs SEPM