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11.000 Jahre alte Siedlung in Werl

Sie zählt zu den ältesten naturwissenschaftlich datierten mittelsteinzeitlichen Fundplätzen in Deutschland überhaupt. Die Siedlungsstelle in Werl-Büderich hat schon vor 11.000 Jahren Menschen ein Zuhause gegeben. Dort, wo heute die Kreisstraße 18n vorbeiführt, haben die Bewohner gelebt, gejagt, Nahrung zubereitet und Werkzeuge angefertigt. Die Entdeckung 2011 war eine kleine Sensation. Jetzt hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Publikation „Auf der K 18 n in die Steinzeit…“ herausgebracht.

Brandneu ist die Broschüre der LWL-Archäologie, die nicht nur für Werler spannendes über die früheste Geschichte zu bieten hat und auf eine Zeitreise bis in die Steinzeit einlädt. Foto: LWL
Brandneu ist die Broschüre der LWL-Archäologie, die nicht nur für Werler spannendes über die früheste Geschichte zu bieten hat und auf eine Zeitreise bis in die Steinzeit einlädt.
Foto: LWL

Auf 92 Seiten werden anschaulich und reich bebildert die archäologischen Ergebnisse des Kreisstraßenneubaus der K18n bei Werl-Büderich im Kreis Soest zusammengefasst. Der Autor Dr. Martin Heinen war Ausgräber vor Ort und schlägt mit dieser Broschüre einen weiten Bogen von der Mittelsteinzeit über die frühen Bauern und die Eisenzeit bis in das frühe Mittelalter und in die Neuzeit. In diesen vielen tausend Jahren bot der Ort den verschiedensten Kulturen eine Heimat.

Eigentlich gilt die Soester Börde als gut erforscht. Als die Kreisstraße gebaut wurde, hatte niemand mit einem derart seltenen Fund gerechnet. Die Spuren, die von den frühen Jäger- und Sammlergemeinschaften der Mittelsteinzeit hinterlassen wurden, sind rar gesät: Die Menschen lebten damals ohne feste Behausungen, die wenigen Hinterlassenschaften an der Erdoberfläche verschwanden im Laufe der Jahrtausende unter den Pflugscharen.

Sedimente aus dem Hangbereich überdeckten in der Senke, in der die Fundstelle liegt, jedoch dauerhaft, was heute auch den Nicht-Archäologen fasziniert: Eine ungestörte Feuerstelle, Steingeräte und Reste der Jagdbeute wie Geweihreste vom Hirsch oder Knochen und Zähne vom Rotwild. Alles ist so gut erhalten, dass sogar naturwissenschaftliche Datierungen mittels Radiokarbonmethode durchgeführt werden konnten. Das gelang bisher nur an drei anderen Fundorten in Nordrhein-Westfalen.

Aus archäologischer Sicht einmalig ist Werl-Büderich auch deshalb, weil hier viele weitere Kulturen und Epochen ihre sichtbaren Spuren hinterlassen haben. Die frühen Bauern der sogenannten Rössener Kultur haben aus großen Gruben Lehm für ihre Häuser entnommen – darin ist Holzkohle zutage gekommen, und auf Brandlehmbrocken sind sogar Abdrücke von Flechtwerk erhalten geblieben. 4.000 Jahre später haben die eisenzeitlichen Nachfolger Gebäude errichtet, von denen noch Pfostenlöcher zeugen. Metallverarbeitung und Textilverarbeitung waren weitere Gewerbe, die hier mit Guss- und Schmelztiegeln oder Spinnwirteln und Webgewichten greifbar werden.

Eine Überraschung war auch ein frühmittelalterliches Grubenhaus aus der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts: Scherben eines blauen Glasbechers, eine Pinzette und ein Knochenkamm sind so qualitätsvoll, dass hier mehr als ein bäuerlicher Wirtschaftshof gestanden haben muss. Neuzeitliche Öfen aus dem 17. und 18. Jahrhundert runden die archäologische Zeitreise ab, die sich zwischen dem Einband der neuen Broschüre findet.

Die LWL-Publikation zeigt, dass auch gut erforschte Regionen noch Überraschungen bereit halten können und wie wichtig die archäologische Begleitung solcher Bauvorhaben ist. „Auf der K18n in die Steinzeit“ ist ab sofort für 12,50 Euro in allen Buchhandlungen zu haben.

Martin Heinen
„Auf der K18n in die Steinzeit … Die archäologischen Ergebnisse des Kreisstraßenneubaus der K18n bei Werl-Büderich im Kreis Soest“
Darmstadt 2013
ISBN 978-3-8053-4721-1
92 Seiten, 87 Abbildungen
Preis: 12,50 Euro
http://www.lwl-archaeologie.de

LWL-Einrichtung:
LWL-Archäologie für Westfalen
Zentrale
An den Speichern 7
48147 Münster
Karte und Routenplaner

Früher Arbeiterdichter kommt zu neuen Ehren

Er war einer der frühen Arbeiterdichter und hatte eine große Leserschaft. Von 1890 bis 1912 war Heinrich Kämpchen (1847-1912) in nahezu jeder Ausgabe der „Bergarbeiter-Zeitung“ mit einem Gedicht vertreten, was ihm eine hohe Bekanntheit eintrug. Auf Drängen seines Freundes Otto Hue stellte er seine Verse in Einzelausgaben zusammen („Aus Schacht und Hütte“,1899; „Neue Lieder“, 1904/05; „Wie die Ruhr mir sang“, 1909). Eine Einführung in das Werk Kämpchens legt nun der Bochumer Literaturwissenschaftler Joachim Wittkowski in Form eines „Kämpchen-Lesebuchs“ vor, ein Kooperationsprojekt der LWL-Literaturkommission mit der Nyland-Stiftung.

45400„Mit der Aufnahme in die inzwischen über 40 Bände zählende Lesebuchreihe wird Kämpchen eine verdiente Aufmerksamkeit zuteil“, erläutert der Geschäftsführer der LWL-Literaturkommission, Prof. Dr. Walter Gödden. Wittkowski freut sich, dass sich „Kämpchen in diese Ahnenreihe renommierter westfälischer Autoren einreiht und auf diese Weise ein breites Publikum erreicht“.

In Kämpchens Gedichten tritt das Elend des Bergmanns ungeschönt vor Augen, etwa in Bergmannslos: „Das ist des Bergmanns früher Tod: / Er muß im Schacht / Tagtäglich scharren um sein Brot / In Dunst und Nacht.“

Schon als Jugendlicher fuhr Kämpchen erstmals selbst „hinab in die Grube“ und arbeitete über 30 Jahre als Bergmann in Bochum. Die meisten seiner Texte thematisieren den Alltag der Bergleute: die Härte der Arbeit untertage, Unglücke und Berufskrankheiten, das ungerechte Verhalten von Vorgesetzten und den Arbeitskampf. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, engagierte sich Kämpchen im Bergarbeiterverband, der sich das Ziel gesetzt hatte, den Bergmannsstand wieder zu Ehren kommen zu lassen. Beim großen Bergarbeiterstreik 1889 wurde er als Delegierter vorgeschlagen und einstimmig gewählt, was ihm allerdings eine Abmahnung seines Dienstherren einbrachte. Trotzdem war Kämpchen bis zuletzt im Bergarbeiterverband aktiv, für dessen Zeitung er von Anfang an bis zu seinem Tod schrieb.

Jeder sentimentalen Verklärung seines Berufs erteilte Kämpchen eine klare Absage. Im Gedicht „Bergmannsleben“ heißt es: „Und jedwedem möcht‘ ich raten, / Der dich rühmend will besingen: / In die Tiefe soll er steigen / Und die Keilhau‘ soll er schwingen“. Auch Kämpchens „Westfalenlied“ ist ohne Schwulst und sentimentale Verklärung: „Wohl will ich dich, Westfalen, preisen, / Doch ächten auch die harte Fron, / Womit man Kohle hier und Eisen / Gewinnt um einen Hungerlohn.“

Als Heinrich Kämpchen 1912 im Alter von 64 Jahren starb, war die Anteilnahme groß: Er wurde, wie es hieß, „unter einer hier noch nie dagewesenen großen Beteiligung zu Grabe getragen; der Leichenzug zählte wohl an die 4000 Teilnehmer.“ Das neue Lesebuch bietet nun einen Querschnitt durch das Werk mit zahlreichen erstmals edierten Texten des frühen Arbeiterdichters, der vor allem Heinrich Heine, aber auch die Droste zu seinen Vorbildern zählte.

Lesebuch Heinrich Kämpchen.
Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Joachim Wittkowski.
Bielefeld: Aisthesis Verlag 2013. 166 Seiten.
8,50 Euro. ISBN 978-3-89528-911-8.

LWL-Einrichtung:
Literaturkommission für Westfalen
Erbdrostenhof
Salzstraße 38
48147 Münster
Karte und Routenplaner

„Überall ist Wunderland“

Joachim Ringelnatz ist ein Abend im Schiffshebewerk gewidmet. Foto: PR
Joachim Ringelnatz ist ein Abend im Schiffshebewerk gewidmet.
Foto: PR

„Überall ist Wunderland“, behauptet Joachim Ringelnatz, „überall ist Leben. Bei meiner Tante im Strumpfenband. Wie irgendwo daneben.“ Überall dort hat sich der skurrile Poet auch herumgetrieben, vor allem „irgendwo daneben“. Mehr über den Dichter erfahren Besucher eines Ringelnatz-Abends mit dem Schauspieler Peter Schütze, zu dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Samstag, 9. November, um 19.30 Uhr in sein Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg einlädt.

Eigentlich hieß Ringelnatz Hans Bötticher, wurde 1883 in Sachsen geboren, fuhr als Schiffsjunge zur See, jobbte als Träger von Riesenschlangen im Varieté, arbeitete als Bibliothekar und schlug sich als unbegabter Straßenmusikant durch. Noch bevor er in den Ersten Weltkrieg zog, wurde er als Hausdichter der Münchener Künstlerkneipe „Simplizissimus“ berühmt.

Peter Schütze zaubert an diesem Abend im Schiffshebewerk Verse des Dichters Ringelnatz aus seinem literarischen Seesack, Verfasser bald derber, bald zarter Poesie, grotesker, komischer, liebevoll weiser Gedichte, Erfinder des Seemanns Kuttel Daddeldu und der Ameisen, die nach Amerika wollen. Zu hören sind Texte aus den Sammlungen „Die Schnupftabaksdose“, „Turngedichte“, „Reisebriefe eines Artisten“, und „Allerdings“. Einen der Höhepunkte der Lesung stellen die Gedichte über den alten Seebären Kuddeldaddeldu dar, denen Schütze mit norddeutschen Akzent viel Lebendigkeit verleiht.

Peter Schütze (geb. 1948), promovierter Germanist und Autor, blickt auf eine Laufbahn als Journalist, Übersetzer, Dramaturg, Regisseur und Schauspieler mit Engagements an verschiedenen Bühnen, u.a. in Dortmund, Bielefeld und Hamburg (Thalia Theater), zurück. Seit 1988 tritt er auch als Rezitator von Goethe, Heine, Droste-Hülshoff, Kästner, Tucholsky u.a. auf.

Der Eintritt kostet 12 Euro. Eine Reservierung unter der Tel. 02363 9707-0 ist erforderlich.

LWL-Einrichtung:
LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Am Hebewerk 2
45731 Waltrop
Karte und Routenplaner

„Mörderspur“ und „Linienstraße“

Gleich zwei neue Krimis von Dortmunder Autorinnen feiern bei einer Lesung ihre Buchpremiere: Christina Füssmann stellt ihren Krimi „Mörderspur“ vor, Anne-Kathrin Koppetsch ihren Roman „Linienstraße“.

„Mörderspur“ von Christina Füssmann ist ein Justizkrimi, in dem die Entwicklung modernster wissenschaftlicher Methoden der Verbrechensbekämpfung eine wichtige Rolle spielt. Ein echter Kriminalfall ist eingebunden in eine fiktive Romanhandlung. In dem Roman werden die Gefahren aufgezeigt, wenn ehrgeizige Ermittler und Wissenschaftler im Übereifer fehlerhafte Rückschlüsse ziehen. Das Buch erschien im OCM-Verlag.

„Linienstraße“ von Anne-Kathrin Koppetsch spielt in Dortmund im Jahr 1968. Das Benzin kostet 60 Pfennig. Die Amerikaner bereiten sich auf die Mondlandung vor. Die junge Pastorin Martha Gerlach hat ganz andere Sorgen: In ihrer Kirche findet sie einen Säugling. Kurze Zeit später wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Ist sie die Mutter des Babys? Die Spuren der Toten führen mitten in Dortmunds Bordellstraße. Doch etwas anderes erschüttert Marthas bis dahin so festgefügtes Weltbild viel tiefer … Das Buch erschien im emons-Verlag.

Die Lesung zur Buchpremiere findet am Montag, 14. Oktober, um 19.30 Uhr in Studio B der Stadt- und Landesbibliothek am Max-von-der-Grün-Platz 3 statt. Der Eintritt kostet drei Euro.