„Paper Pool“-Leihgabe aus Australien

David Hockney, A Diver, 1978, Nr. 17 aus der Serie »Paper Pools«, Zwölf aneinandergefügte Blätter aus farbigem gepresstem Zellstoff, 91,4 x 71,1 cm (Blätter), 182,8 x 434,4 cm Foto: National Gallery of Australia, Canberra
David Hockney, A Diver, 1978, Nr. 17 aus der Serie »Paper Pools«, Zwölf aneinandergefügte Blätter aus farbigem gepresstem Zellstoff, 91,4 x 71,1 cm (Blätter), 182,8 x 434,4 cm
Foto: National Gallery of Australia, Canberra

Münster (lwl). Große Namen der britischen Kunst ziehen kurz nach der Neueröffnung in das LWL-Museum für Kunst und Kultur ein: 120 Werke von Francis Bacon, Lucian Freud, David Hockney und 13 anderen Künstlern sind ab dem 8. November 2014 in der Ausstellung „Das nackte Leben“ zu sehen. Mit der Ausstellung weiht der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Sonderausstellungsräume in seinem neu eröffneten Museum ein. In einer Serie werden die wichtigsten Kunstwerke vorgestellt.

Das zwölfteilige Poolbild „A Diver (Paper Pool 17)“ von David Hockney hat wohl die weiteste Reise nach Münster hinter sich. Es ist eine Leihgabe der National Gallery of Australia in Canberra, die außerdem ein dreiteiliges Bild von Michael Andrews für die Ausstellung ausleiht. Die National Gallery of Australia konnte 1979, kurz nach der Entstehung der Poolbilder-Serie von Hockney, eines davon erwerben. Die Papierarbeit beeindruckt mit einer Größe von fast zwei Metern Höhe und viereinhalb Metern Breite.

David Hockney begann sein Studium 1953 an der Bradford School of Art in London, wo er eine klassische Ausbildung im Zeichnen nach dem Modell erhielt. Im Jahr 1959 schrieb er sich am Royal College of Art in London ein und traf dort auf R.B. Kitaj, Patrick Caulfield und Allen Jones. Entscheidend für Hockneys Entwicklung zu jener Zeit ist Kitajs Rat, er solle Themen malen, die für ihn von persönlichem Interesse seien.

In den 1960er Jahren unternahm Hockney ausgiebige Reisen. Sein Verlangen nach neuen Eindrücken und seine Fähigkeit, das Entdeckte malerisch zu verarbeiten, schlägt sich in seinen Bildern nieder. Nach seinem Umzug nach Los Angeles spiegeln seine Leinwände die neu einsetzende Begeisterung für Architektur und für die Pflanzenwelt der Westküste sowie Swimmingpools und helles Sonnenlicht wider.

Auf Anregung von Ken Tyler, der damals eine Druckwerkstatt außerhalb von New York City betrieb, experimentierte Hockney mit einer Technik, die Malerei mit Druckverfahren kombiniert. Flüssige gefärbte Papiermasse wird in Metallrahmen direkt auf feuchtes Papier gegossen und vom Künstler durch Zusätze von Zellstoff und Farbe ergänzt. Zum Schluss wird das Blatt in der Hydraulikpresse fixiert. In sechs Wochen, von August bis Oktober 1978, stellte Hockney auf diese Art und Weise 29 „Swimmingpools“ her. Mit den Händen knetete er die Oberfläche und arbeitete die Farbe ein, sodass die Linien eher durch die Begrenzungen der Formen bestimmt werden als durch gezeichnete Linien.

Es handelt sich um Ostküsten-Pools ohne Palmen, und die Reflexe im Wasser basieren auf direkter Beobachtung statt auf Polaroidfotos, mit denen Hockney oft arbeitet. Auf gewisse Weise sind diese Arbeiten Vorläufer seiner seit dem Jahr 2000 vorherrschenden Faszination, Landschaften experimentell wiederzugeben, in neuester Zeit sogar mit dem iPad oder mittels einer Reihe von Filmkameras, die fest auf einem Fahrzeug montiert sind.

Das nackte Leben. Bacon, Freud, Hockney und andere. Malerei in London 1950-80
8. November 2014 bis 22. Februar 2015

LWL-Einrichtung:
LWL-Museum für Kunst und Kultur
Westfälisches Landesmuseum
Domplatz 10
48143 Münster
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