Licht über Hamborn

Auszubildende der Thyssen-Hütte während der Pause. Foto: Herbert List, ThyssenKrupp Konzerarchiv
Auszubildende der Thyssen-Hütte während der Pause.
Foto: Herbert List, ThyssenKrupp Konzerarchiv

Meister der surrealen Fotografie

Hattingen (lwl). Herbert List galt nach dem Zweiten Weltkrieg als Meister der surrealen Fotografie. Der Fotograf prägte die Schwarz-Weiß-Fotografie und das Spiel mit Licht und Schatten. Über ein halbes Jahrhundert schlummerten Teile seines Schaffens wenig beachtet im ThyssenKrupp Konzernarchiv. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hatte List mehrfach für den Konzern gearbeitet.

Die Wiederentdeckung des Fotobestandes führte zur Ausstellung „Licht über Hamborn“, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam mit dem ThyssenKrupp Konzernarchiv vom 28. November 2014 bis 12. April 2015 im LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen präsentiert. Die Eröffnung findet Freitag (28.11.) um 19.30 Uhr statt; der Eintritt dazu ist frei.

Herbert List (1903-1975) fand seine Motive vor allem in der Fremde, in Neapel und Rom, in der Karibik, aber auch in Griechenland. Dabei entstanden spektakuläre Bildbände, vor allem „Licht über Hellas“, der List zeitweise zum bekanntesten deutschen Fotografen avancieren ließ. Als erster deutscher Fotograf wurde er assoziiertes Mitglied der renommierten Agentur „Magnum“. 1954 erhielt List den Auftrag, in einer ihm völlig neuen und fremden Welt zu fotografieren: dem Hüttenwerk in Duisburg-Hamborn. Auftraggeber war die August Thyssen-Hütte, die sich durch ein gigantisches Investitionsprogramm anschickte, zu Europas größtem Stahlproduzenten aufzusteigen.

Porträt eines Stahlarbeiters aus Duisburg. Foto: Herbert List, ThyssenKrupp Konzerarchiv
Porträt eines Stahlarbeiters aus Duisburg.
Foto: Herbert List, ThyssenKrupp Konzerarchiv

Das Unternehmen wollte diesen Prozess in Fotografien festgehalten wissen. List arbeite zwischen 1954 und 1959 in insgesamt vier Kampagnen in Hamborn. Der von ihm erhoffte Bildband kam nicht zustande, und seine Industriefotografien gerieten in Vergessenheit. List wandte sich bereits Mitte der 1960er-Jahre von der Fotografie ab. Er lehnte jede Hommage, Werkschau oder Formen des Personenkults ab und entzog sich so den Mechanismen des Kunstmarktes. Seinen Nachlass verwaltete der Fotograf Max Scheler, der zahlreiche List-Publikationen herausgab. Darin befindet sich jedoch kein Bild aus der Hamborner Serie. Lists „Hütten-Werk“ ist bisher weitgehend unbekannt.

Umso bedeutender war die Neuentdeckung des Bestandes durch Archivmitarbeiterin Astrid Dörnemann. Gemeinsam mit Archivleiter Prof. Manfred Rasch wird sie bei der Eröffnung am Freitag (28.11.) über ihren spektakulären Fund berichten. Zusammen mit LWL-Museumsdirektor Dirk Zache eröffnet ThyssenKrupp Steel Europe-Arbeitsdirektor Thomas Schlenz die Ausstellung. Für eine Würdigung des Fotografen Herbert List konnte Andreas Rossmann, Feuilletonist der FAZ, gewonnen werden. Musikalisch begleitet wird die Ausstellungseröffnung durch Tobias Bülow auf dem Monochord.

Stahlproduktion in der August Thyssen-Hütte in Duisburg-Hamborn Mitte der 1950er Jahre. Foto: Herbert List, ThyssenKrupp Konzerarchiv
Stahlproduktion in der August Thyssen-Hütte in Duisburg-Hamborn Mitte der 1950er Jahre.
Foto: Herbert List, ThyssenKrupp Konzerarchiv


Licht über Hamborn.
Der Magnum-Fotograf Herbert List und die August Thyssen-Hütte im Wiederaufbau

28.11.14 bis 12.4.2015
LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen, Werksstraße 31-33
Geöffnet Di-So 10-18 Uhr, Fr 10-20 Uhr
http://www.lwl-industriemuseum.de

Zur Ausstellung ist im KlartextVerlag Essen ein gleichnamiger Katalog erschienen (190 Seiten, zahlreiche, teils farbige Abbildungen, 19,95 Euro. ISBN: 978-3-8375-1148-2)

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