Jüdische Geschichte in Westfalen und Lippe

Was hat der bekannte jüdische Kunsthändler Alfred Flechtheim mit dem westfälischen Städtchen Brakel zu tun? Wie nannte sich seine Familie vor 1808, als Napoleon auch den Juden in Westfalen feste Familiennamen vorschrieb? Und welche Berufe blieben den Flechtheims im 18. und 19. Jahrhundert aufgrund ihrer Religion verwehrt? Diese und andere Fragen beantworten die Autoren des vierbändigen „Historischen Handbuchs der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“, dessen dritter Band nun erschienen ist.

Präsentierten den neuen Band des "Historischen Handbuchs der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe" (v.l.): Prof. Dr. Susanne Freund (Universität Potsdam), Prof. Dr. Werner Freitag (Institut vergleichende Städtegeschichte), Dr. Barbara Rüschoff-Thale (LWL-Kulturdezernentin), Prof. Dr. Frank Göttmann (Universität Paderborn) und Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Vorsitzender der Kommission für Westfalen). Foto: LWL/Beyer
Präsentierten den neuen Band des „Historischen Handbuchs der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“ (v.l.): Prof. Dr. Susanne Freund (Universität Potsdam), Prof. Dr. Werner Freitag (Institut vergleichende Städtegeschichte), Dr. Barbara Rüschoff-Thale (LWL-Kulturdezernentin), Prof. Dr. Frank Göttmann (Universität Paderborn) und Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Vorsitzender der Kommission für Westfalen).
Foto: LWL/Beyer

Herausgeber sind die Historische Kommission für Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und das Institut für vergleichende Städtegeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU).

Über 140 Autoren werteten staatliche Statistiken, jüdische Zeitungen oder innerjüdisches Verwaltungsschriftgut aus, um Ereignisse und Familiengeschichten für Westfalen-Lippe zu erfassen. Das Handbuch gibt so einen Überblick über alle jüdischen Gemeinschaften in den heutigen drei Regierungsbezirken Münster, Detmold und Arnsberg – von der ersten Erwähnung im Mittelalter über die flächendeckende Auslöschung jüdischen Lebens im Holocaust bis zu den Neuanfängen nach 1945.

Der Band "Grundlagen - Erträge - Perspektiven" des "Historischen Handbuches der jüdischen Gemeinschaften" ist jetzt erschienen. Foto: LWL
Der Band „Grundlagen – Erträge – Perspektiven“ des „Historischen Handbuches der jüdischen Gemeinschaften“ ist jetzt erschienen.
Foto: LWL

„Mit der Darstellung der Gleichgewichtigkeit aller Perioden jüdischer Geschichte wird deutlich, wie selbstverständlich das Miteinander von Juden und Christen in vielen Städten Westfalens war. Dies tritt vor dem Hintergrund des Holocaust häufig in den Hintergrund“, sagt Prof. Dr. Werner Freitag vom Institut für vergleichende Städtegeschichte der WWU zu dem Buchprojekt.

„Die Publikation erinnert nicht nur an das grauenvolle Ende jüdischen Lebens im nationalsozialistischen Deutschland, sondern stellt die jahrhundertelange gemeinsame Geschichte – auch sie nicht immer unproblematisch – dar und lenkt den Blick auch auf den Neubeginn jüdischen Lebens in Deutschland nach 1945“, fügt Prof. Dr. Wilfried Reininghaus, Vorsitzender der Historischen Kommission für Westfalen hinzu.

Der nun erschienene Band „Grundlagen – Ergebnisse – Perspektiven“ fasst die zentralen Einzelergebnisse der Teilbände zusammen und veranschaulicht die Ergebnisse in verschiedenen Karten. Damit sollen eine Zwischenbilanz zur bisherigen Forschung vorgelegt und weiterführende Fragen für künftige Untersuchungen aufgeworfen werden.

Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe
Grundlagen – Erträge – Perspektiven

Hrsg. von Susanne Freund
Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 11

Münster, Ardey-Verlag, 415 Seiten, Festeinband, 2 Karten in Tasche
ISBN 978-3-87023-285-6, 66,00 Euro

Historische Kommission für Westfalen
Erbdrostenhof
Salzstraße 38
48147 Münster
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