Geschichte wird im Ziegeleimuseum in Lage bewahrt

120 Jahre bewegte Jahre liegen hinter dem Zieglerverein Nalhof. Anfang 2013 löste sich der Verein auf, die Geschichte bleibt jedoch erhalten: Franz Putschögl, ehemaliger Vereinsvorsitzender, und der ehemalige Kassierer Werner Jürgensmeier brachten jetzt die Vereinsfahne und viele Dokumenten in das LWL-Ziegeleimuseum Lage.

Franz Putschögl (m.) und Werner Jürgensmeier (r.) übergeben LWL-Museumsleiter Willi Kulke die Vereinsfahne. Foto LWL
Franz Putschögl (m.) und Werner Jürgensmeier (r.) übergeben LWL-Museumsleiter Willi Kulke die Vereinsfahne.
Foto LWL

„Selten habe ich eine so gut dokumentierte Vereinsgeschichte in den Händen gehabt“, stellte Museumsleiter Willi Kulke vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bei der Übergabe fest. Putschögl und Jürgensmeier übergaben dem LWL-Industriemuseum sowohl sämtliche Dokumente der Vereinsgeschichte – von Protokoll- und Kassenbüchern, Mitgliederverzeichnissen, Vereinssatzungen aus verschiedenen Jahren und Festschriften bis zur Pressemappe – als auch die wertvolle Vereinsfahne aus dem Gründungsjahr. Zum Bestand gehören außerdem Stempel, Anstecknadeln für langjährige Mitglieder, Mützen und rot-goldene Kordeln, die neue Mitglieder an ihre Mützen hefteten.

Gegründet wurde der Verein 1893 mit 30 Mitgliedern. Die Aufnahme kostete eine Mark, der monatliche Beitrag 15 Pfennige. Zweck des Vereins war die „Wahrung und Förderung des Zieglergewerbes“, aber auch die Förderung der Gemeinschaft durch Feste und „Tanzbelustigungen“ wurde eigens erwähnt.

Darüber hinaus übernahm der Verein auch soziale Aufgaben: Für Witwen von Gefallenen der beiden Weltkriege wurde Sterbegeld gezahlt. Zu Ehren des Ziegler- und Heimatdichters Simon Albert ließ der Verein an der Dorfeiche in Nalhof – heute ein Ortsteil der Gemeinde Extertal – einen Brunnen errichten. Er wurde 1993 anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums eingeweiht. Das alljährliche Brunnenfest hatte sich fortan als fester Bestandteil des Vereinslebens etabliert. Putschögl hofft daher, dass der neu gegründete Brunnenverein diese Tradition fortführt und dieser so weiter an die Zeit der lippischen Ziegler von Nalhof und Umgebung erinnert.

Der Vorsitzende hatte sein Amt, das er seit 1997 inne hatte, Anfang des Jahres aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Ein Nachfolger fand sich nicht, so dass die Jahreshauptversammlung die Auflösung beschloss. „Alle Zieglervereine haben heutzutage mit kontinuierlichen Mitgliederschwund und schwindendem Interesse zu kämpfen“, so LWL-Museumsleiter Kulke. Im 19. Jahrhundert waren im Raum Lippe Dutzende dieser Vereine zur Wahrung und Förderung des Zieglergewerbes gegründet worden und trugen zum lokalen Vereins- und Kulturgeschehen bei. Aktuell gibt es noch 15 lippische Zieglervereine. Ihre Aufgaben sind neben der Totenehrung auch die Aufarbeitung der Geschichte der lippischen Wanderziegler sowie die Brauchtumspflege bei Festen, Versammlungen und Märschen.

LWL-Industriemuseum – Ziegeleimuseum Lage
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Sprikernheide 77
32791 Lage
Karte und Routenplaner

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