Was ein Pflegekind aufnehmen bedeutet

„Können Sie sich vorstellen auf Dauer ein Pflegekind aufzunehmen?“, fragt Silke Hufenbach vom Jugendamt des Märkischen Kreises. Das Jugendamt sucht laufend Eltern oder Paare, die bereit sind sich dauerhaft, möglichst bis zur Volljährigkeit, um ein Kind zu kümmern, und ihm ein Zuhause und eine Familie zu geben. Für kinderlose Paare, die sich gerne einen Herzenswunsch erfüllen möchten, ist ein Pflegekind die wesentlich aussichtsreichere Al-ternative zu einer Adoption. In 2013 wurden im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes nur drei Adoptionen abgeschlossen.

Dabei handelte es sich in zwei Fällen um Stiefelternadoptionen. „Auch wenn sich Eltern aus welchen Gründen auch immer nicht selbst um ihre Kinder kümmern können, fällt es ihnen doch sehr schwer, ihre Kinder mit allen Konsequenzen für eine Adoption frei zu geben“, erklärt Hufenbach. Manchmal ist eine Adoption möglich, wenn die Kinder als Pflegekinder schon einige Zeit in der Familie gelebt haben.

Im Jugendamt betreut der Pflegekinderdienst zurzeit 125 Pflegekinder. Nicht allen Pflegeeltern kann der Wunsch nach einem möglichst „pflegeleichten“ neuen Familienmitglied erfüllt werden. Einige der Kinder sind aufgrund ihrer Vorgeschichte traumatisiert, manche tun sich schwer, Vertrauen oder eine Bindung aufzubauen. Einige sind auch in ihrer Entwicklung verzögert. „Am besten ist es, das Kind so anzunehmen, wie es ist – mit allen Stärken und Schwächen – und mit ihm und seinen Lebensumständen möglichst geduldig, ohne große Erwartungen und humorvoll umzugehen“, bringt die Sozialarbeiterin die Herausforderung auf den Punkt.

Auch müssen sich Pflegeeltern darüber im Klaren sein, dass mit dem Kind auch andere Personen in die Familie kommen: leibliche Eltern und Verwandte, Vormünder, Sozialarbeiter und gegebenenfalls Therapeuten. Die Offenheit gegenüber den Bezugspersonen der Kinder und die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und anderen Betreuern werden vorausgesetzt.
„Wir wünschen uns offene, tolerante Pflegeeltern, die Belastungen und Überraschungen aus-halten können und sich auch an kleinen Erfolgen freuen“, macht Silke Hufenbach deutlich.

Gesucht werden Paare, die Freude daran haben, mit Kindern zusammen zu leben, ihre Entwicklung zu erleben und ihnen ein stabiles Zuhause geben können. Sie sollten dem Kind genügend Zeit und Aufmerksamkeit widmen können. Es sollte ausreichend Wohnraum zur Verfügung stehen und das wirtschaftliche Auskommen gesichert sein. Gefordert wird auch ein polizeiliches Führungszeugnis, das regelmäßig überprüft wird. Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit erhalten Pflegeeltern eine Aufwandsentschädigung.

Auf die neue Rolle werden interessierte Bewerber durch intensive Gespräche mit Mitarbeitern des Pflegekinderdienstes vorbereitet. In Kooperation mit dem Jugendamt des Märkischen Kreises bietet die Evangelische Jugendhilfe Menden ein Seminar für Bewerberinnen und Bewerber um ein Pflegekind an. Die nächste Ausbildung startet am 17. März in Meinerzhagen unter Leitung von Dr. Richard Schlotmann. Es findet an sechs aufeinander folgenden Montagabenden (nicht in den Osterferien) statt. Das Seminar klärt Fragen wie: Was ist eine Pflegefamilie? Was dürfen Pflegeeltern?

Gibt es Kontakte zu den Eltern des Kindes? Bindungstheorie, Übertragungsphänomene und Traumapädagogik stehen im Mittelpunkt der Seminarabende. Anmeldungen zum Vorbereitungsseminar sind telefonisch über die Evangelische Jugendhilfe Menden bei Richard Müller-Schlotmann unter der Rufnummer: 02373 174186 oder wpf1@ev-jugendhilfe-menden.de möglich. Interessierte Paare und Eltern können sich bei auch bei Silke Hufenbach vom Pflegekinderdienst informieren, Telefon: 02351 966 6600, E-Mail: s.hufenbach@maerkischer-kreis.de.

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