Das Heiligenhäuschen in Wilnsdorf

Detail am linken Flügel des Eisengitters. Foto: N. Sonntag/Sonntag + Partner, Siegen
Detail am linken Flügel des Eisengitters.
Foto: N. Sonntag/Sonntag + Partner, Siegen

Wilnsdorf (lwl). Abschließbare Eisengitter schützen viele Bildstöcke und offene Kapellen vor Raub und Vandalismus, gleichzeitig erlauben sie den Gläubigen einen Blick auf die Andachtsobjekte. Ihre einfachen Konstruktionen sind meist pragmatisch, eine schmückende Gestaltung eher selten. Eine Ausnahme bildet das schmiedeeiserne, doppelflügelige Eisengittertor im Heiligenhäuschen des Heiligen Ignatius von Loyola in der Marienwallfahrtsstätte Eremitage in Wilnsdorf-Niederdielfen (Kreis Siegen-Wittgenstein), das der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Denkmal des Monats ausgezeichnet hat.

Heiligenhäuschen des Hl. Ignatius von Loyola. Foto: N. Sonntag/Sonntag + Partner, Siegen
Heiligenhäuschen des Hl. Ignatius von Loyola.
Foto: N. Sonntag/Sonntag + Partner, Siegen

„Einzigartig ist bei diesem Eisengittertor das unverkennbare Bestreben des unbekannten Schmiedemeisters, ein solides und zugleich ästhetisch ansprechendes Gitter herzustellen“, erklärt LWL-Restauratorn Helena Dick. „In Westfalen sind keine weiteren Tore ähnlicher Machart aus dem 18. Jahrhundert bekannt. Als Vergleichsbeispiele kommen nur die deutlich kleineren verzierte Vergitterungen an Bildstöcken in Betracht, wie beim etwa zeitgleich entstandene Bildstock der Pfarrei St. Joseph in Bad Waldliesborn aus dem Jahr 1739 oder beim Bildstock der Heiligen Agatha in Balve aus dem Jahr 1698.“

Eisengitter des Heiligenhäuschens. Foto: N. Sonntag/Sonntag + Partner, Siegen
Eisengitter des Heiligenhäuschens.
Foto: N. Sonntag/Sonntag + Partner, Siegen

Über die Geschichte des Heiligenhäuschens und seines Gitters ist wenig bekannt: Obwohl das Häuschen schon im Jahr 1679 als eine von sieben Stationen eines Prozessionsweges errichtet wurde, wird das Gitter erst einige Jahrzehnte später im Zusammenhang mit den Übergriffen und Störungen der katholischen Prozessionen erwähnt. „Einer mündlichen Überlieferung nach wurde in der Nacht vor Karfreitag im Jahr 1751 die Figur ‚Heiland am Ölberg‘ aus der Wallfahrtsstätte geraubt wurde“, so Dick. „Nachdem die Figur wieder gefunden wurde, hat man sie im Stationshäuschen eingemauert und zudem durch ein – wohl eigens dafür angefertigtes starkes Eisengitter geschützt. Die Wut der Gemeinde über den Raub der Figur und die Angst vor neuem Vandalismus erklärt vielleicht die überraschende Massivität des Gitters, das den gesamten Öffnungsbogen des Heiligenhäuschens einnimmt.“

Hintergrund
Die Rahmenkonstruktion beider Flügel besteht aus untereinander vernieteten Flacheisen mit zusätzlichen Querbändern, die die Flügel in je drei Felder unterteilen. Die notwendige diagonale Versteifung gewährleisten zwei mit Rundstäben in Durchsteckarbeit ausgeführte Diagonalgitter. Die oberen Felder füllen bei senkrechter Anordnung durchgehende Flacheisenstäbe mit einer, balusterartigen Gestaltung mit kleinen Kreuzen in der Mitte und pyramidenförmigen Spitzen oben. Alle Nietungen sind als sechsblättrig getriebene Blumenrosetten gestaltet. Zusammen mit den filigranen, von den Flacheisenstäben abgespaltenen Schnörkeln stehen die Rosetten im Kontrast zu der massiven Rahmenkonstruktion.

Bei einer Begutachtung der Wahlfahrtsstätte anlässlich der geplanten Restaurierung fiel der schlechte Erhaltungszustand des Eisengitters auf. Besorgniserregend war vor Allem die massive Korrosion in bodennahen Bereichen. Mit einer Schichtdicke von stellenweise mehreren Zentimetern drückten die Korrosionsprodukte die Querbänder zwischen den Vernietungen auseinander und verformten diese wellenförmig. Weil auch einige Bänder an ihren unteren Enden durch Korrosion an Substanz verloren hatten, war die Stabilität der Konstruktion im unteren Bereich akut gefährdet.

Ein erfahrener Metallrestaurator soll das Eisengitter jetzt konservieren. Das Restaurierungskonzept, das in Absprache mit Stephan Brunnert, Metallrestaurator des LWL-Museumsamtes, entwickelt worden ist, sieht eine zurückhaltende Konservierung des Eisengitters vor. Dabei sollen die Materialveränderungen respektiert werden. „Ziel der Restaurierung ist es, weitere Korrosionsprozesse zu verhindern oder zu minimieren und die Funktionstüchtigkeit des Gittertores zu erhalten“, erklärt Dick. Dazu sollen die lockeren Korrosionsprodukte schonend abgenommen werden. Ergänzungen sind nur an für die Stabilität erforderlichen Stellen vorgesehen, wobei auf ästhetische Ergänzungen bzw. die Rückformung von deformierten Bändern völlig verzichtet wird. Für diese denkmalgerechte, umfangreiche Konservierung ist die Finanzierung noch nicht vollends geklärt, Spenden sind willkommen.

LWL-Einrichtung:
LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Fürstenbergstr. 15
48147 Münster
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