Kategorie-Archiv: Ruhrgebiet

Mit dem Dampfboot vom Ruhrgebiet zur Nordsee

Erich und Irmi Ufer unterwegs mit Ihrem Dampfboot "Irmtraud-Anna". Foto: WDR
Erich und Irmi Ufer unterwegs mit Ihrem Dampfboot „Irmtraud-Anna“. Foto: WDR

Das LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg war wieder einmal filmreif: In der Reihe „Tief im Westen“ sendet der WDR am Ostermontag, 21. April, um 18.05 Uhr einen Beitrag über eine Reise unter Dampf auf Kaisers Spuren vom Ruhrgebiet zur Nordsee nach Wilhelmshaven. Erich und Irmi Ufer machten sich mit ihrem selbst gebauten Dampfboot „Irmtraud-Anna“ auf den rund 300 Kilometer langen Weg – fast so wie die Kohleschiffer früher, die die Flotte des Kaisers mit Brennstoff versorgen mussten. In Herne geht’s los: Zunächst zum Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), über das bereits am Anfang ausgiebig berichtet wird. Der Film gibt Einblicke in Bereiche, die Museumsbesucher normalerweise nicht zu sehen bekommen. So wird unter anderem die Werkstatt besichtigt und die Restaurierung der historischen Schiffe gezeigt. Außerdem geht es an Bord des LWL-Museumsschiffes „Nixe“.

Weiter geht die Reise dann dem Dortmund-Ems-Kanal nordwärts folgend quer durchs Münsterland. Vorbei an Burgen, Schlössern und endlosen Kornfeldern. Erich und Irmi Ufer entdecken alte Häfen in neuer Funktion, stillgelegte Kanalstrecken und mächtige Schleusen, in denen ihr kleines Dampfboot wie eine Nussschale schaukelt. Dann ändert sich die Landschaft: das Emsland und seine endlosen Torfgebiete, seit 400 Jahren mühsam von Moorsiedlern urbar gemacht. Das Kontrastprogramm liefert die Meyer Werft, ihre Ozeanriesen sind supermodern. Im ostfriesischen Leer deckt die Dampfer-Crew das Geheimnis des Ostfriesentees auf. Die letzten 70 Kilometer bis Wilhelmshaven: die Ufers lernen den drittfreundlichsten Schleusenwärter Deutschlands kennen, hören von den friesischen Häuptlingen und erobern schließlich – im Marinemuseum Wilhelmshaven angekommen – die kaiserliche Flotte.

LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Am Hebewerk 2
45731 Waltrop
Karte und Routenplaner

Das Dorstener Lewandowski-Projekt

Das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten und die Chorgemeinschaft St. Agatha Dorsten freuen sich, Ihnen das „Dorstener Lewandowski-Projekt“ vorzustellen. Louis Lewandowski (1821-1894) war ein deutsch-jüdischer Komponist aus Berlin, der vor allem durch die Neubelebung und Öffnung der jüdischen Liturgie bekannt wurde.

„Ursprünglich leitete ein Kantor als Vorbeter und Vermittler zwischen Gott und Gemeinde ohne Instrumentalbegleitung den jüdischen Gottesdienst. Ein Wechselgesang zwischen Kantor und Chor, begleitet von feierlichen Orgelklängen – so verband Louis Lewandowski im 19. Jahrhundert jüdische Tradition mit abendländischer Harmonik zu einem neuen Ganzen. Die Innovationen des großen Meisters und Reformators der jüdischen Liturgie Louis Lewandowski machten den jüdischen Gottesdienst zu einem musikalischen Ereignis. So brachten sie das neu erblühte Selbstbewusstsein der Juden im 19. Jahrhundert zum Ausdruck und verliehen der jüdischen Liturgie weltweit und überkonfessionell neue Ausstrahlung. (Quelle: Webseite www.louis-lewandowski-festival.de)“

Da ist aus Berlin eine musikalische Welle durch die Welt gegangen. Lewandowski wollte nicht, dass die wunderbare deutsche Romantik, die schönen polyphonen Klänge und die Orgelmusik vor den Türen der Synagoge Halt machen. Er hat viel bewegt. Und durch die Vertonung der Psalmen aus dem Alten Testament noch einmal untermauert, wie viel Christen und Juden gemeinsam haben.

Durch das Singen und Einstudieren dieser Musik wird vieles greifbarer als durch bloße Vorträge. Daher möchte die Chorgemeinschaft St. Agatha unter der Leitung von Dr. Hans-Jakob Gerlings ab Mitte Juni zu einem Projektchor zum Studium der Werke Lewandowskis einladen.
Zur Unterstützung des Projektes und auch als Zeichen seiner Wertschätzung hat Franz-Josef Stevens das vorzubereitende Konzert bereits in die renommierte Reihe der „Stadtklänge“ aufgenommen. Der Termin ist am 26. Oktober in der Kirche St. Agatha. Als Organist konnte Martin Welzel aus München gewonnen werden, der im Thema der jüdischen Komponisten eingearbeitet ist.

In der Woche vor dem Konzert wird das Jüdische Museum Westfalen einen Vortrag zum Thema anbieten. Es spricht Dr. Heinrich Simon, Direktor des Centrum Judaicum in Berlin zu Louis Lewandowski, zu dem er kürzlich auch eine Biografie veröffentlicht hat.
Wir freuen uns auf dieses Projekt und hoffen, viele Menschen damit ansprechen zu können. Wir laden ein, zu begreifen, welche Vielfalt die Deutschen jüdischen Glaubens im 19. Jahrhundert hatten, wie viel Deutschland zwischen 1933 und 1945 verloren hat.

Der Projektchor wird am 16. November nach Herford fahren und dort in der Stiftsbergerkirche das Konzert noch einmal singen. Die jüdische Gemeinde Herford wird die Gruppe willkommen heißen, geplant ist ebenfalls eine Synagogenführung.

Zur Einstimmung auf diese wunderbare Musik wird Organist Martin Welzel am kommenden Samstag (15. März 11.30 Uhr) in der Agatha-Kirche die 146. Marktmusik spielen. Auf dem Programm stehen Werke von Louis Lewandowski, Jaromir Weinberger, Joseph Sulzer und Felix Mendelssohn Bartholdy.

Interessenten am Projektchor können sich ab sofort melden bei barbaraseppi@gmx.de

www.jmw-dorsten.de

Ruhrtaltour bietet erlebnisreichen Tag

Wenn die Teilnehmer der Ruhrtaltour am Horizont die nach wie vor beeindruckende Silhouette des Hochofens der ehemaligen Henrichshütte erkennen, dann liegt ein erlebnis- und erkenntnisreicher Tag im Ruhrtal zwischen Hattingen und Herdecke hinter ihnen. Das verspricht die Wirtschaftsförderungsagentur Ennepe-Ruhr denjenigen, die bi einer achtstündigen Ruhrtaltour dabei sind. Zwar ist es bis zur Rundfahrt per Bus, Schiff und Museumszug am Sonntag, 29. Juni, noch ein wenig hin. Buchungen sind aber ab sofort möglich.
Treffpunkt für die Ausflügler ist morgens um 10 Uhr der alte Hattinger Bahnhof.

Von dort steuert ein Bus einen Ankerpunkt der Route der Industriekultur, das Westfälische Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten, an. Bei Besichtigung von Zeche und Stollen erfahren die Teilnehmer quasi nebenbei viel Wissenswertes über die Wiege des Bergbaus im Ruhrgebiet. Schließlich soll es der Sage nach ein Schweinehirte gewesen sein, der die erste Kohle im Wittener Muttental entdeckte und damit die Grundlage für die Industrialisierung legte.
Durch das idyllische Muttental führt die Tour per Bus anschließend weiter nach Wetter-Wengern, wo ein Rundgang durch den Ortskern mit seinen Fachwerkhäusern, der evangelischen Dorfkirche und dem Henriette-Davidis-Museum (ohne Besichtigung) auf dem Programm steht.

Nach Mittagspause und -essen im Westfälischen Hof in Wetter geht es weiter zur Burg Volmarstein, zur historische Alten Freiheit und zum Harkortsee. Am Anleger wartet das Ausflugsschiff „MS Friedrich Harkort“ und nimmt auf dem Seeweg Kurs Richtung Herdecke. Bevor dort ein kleiner Rundgang durch die schöne Altstadt ansteht, genießen die Fahrgäste bei Kaffee und Waffeln den besten Ausblick auf das Ardeygebirge und die Ruhrhöhen.
Die abschließende Rückreise nach Hattingen dürfte insbesondere für Eisenbahnromantiker ein Höhepunkt sein: In Hagen-Vorhalle besteigen die Teilnehmer den roten Schienenbus der RuhrtalBahn. Als „Uerdinger Schienenbus“ und Retter der Nebenbahnen ist er vielen Eisenbahnfans ein Begriff.

Dank der Verwendung vieler Komponenten aus dem Omnibusbau konnte mit dem Schienenbus in den 50- und 60er Jahren ein wirtschaftliches und kostengünstiges Fahrzeug gebaut werden. Im letzten Jahrtausend für eine Nutzungsdauer von 15 Jahren konzipiert, fahren drei Busse Jahrzehnte später für die RuhrtalBahn. Im Einsatz sind der 1961 gebaute Motorwagen, der 1960 gebaute Steuerwagen und der Beiwagen von 1956. Sie bieten den Teilnehmern ein nostalgisches Reiseerlebnis.

Kurz nachdem die Bahn das Gelände des Westfälischen Industriemuseums Henrichshütte in Hattingen und die Silhouette des Hochofens passiert hat, schließt sich der Ausflugskreis am Alten Bahnhof. Die EN-Agentur ist sich sicher, am Ende der Tour wird das zufriedene Gesamturteil der Ausflügler „Viel gesehen, viel erlebt, viel gelernt“ lauten.

Die Tour im Überblick

Termin: Sonntag, 26. Juni, 10 bis 18 Uhr
Kosten: 52 Euro/Person
Leistungen: Reiseführung, Fahrt mit dem Reisebus, der „MS Friedrich Harkort“ und der historischen RuhrtalBahn, Besichtigung und Stollenführung im Westfälischen Industriemuseum Zeche Nachtigall und Mittagessen (ohne Getränke), Kaffee und Waffeln mit Kirschen und Sahne
Anmeldungen nimmt die EN-Agentur unter der Telefonnummer 02324/5648 19 entgegen.

Rekonstruktion des berühmten Kastells „Aliso“

Der Bagger hat bereits einen imposanten Berg aus Mutterboden auf dem Gelände des ehemaligen römischen Hauptlagers in Haltern aufgetürmt. Foto: LWL/B. Tremmel
Der Bagger hat bereits einen imposanten Berg aus Mutterboden auf dem Gelände des ehemaligen römischen Hauptlagers in Haltern aufgetürmt. Foto: LWL/B. Tremmel

Bagger eröffnet im Frühjahr künftigen
Römerpark Aliso in Haltern

Türme, Mauern, Gräben und Spuren von Gebäuden: Die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sind seit fast zwei Jahren dem Lageralltag der Römer in Haltern auf der Spur. Der Bagger bereitet aktuell den Weg für die nächste Ausgrabung der LWL-Archäologie für Westfalen, die auf der Fläche des ehemaligen römischen Hauptlagers in Westfalen stattfinden. Damit wird das wissenschaftliche Fundament für die Rekonstruktion des berühmten Kastells „Aliso“ im geplanten Römerpark gelegt.

Es ist die inzwischen vierte Grabungskampagne, die im Rahmen des ersten Bauabschnitts des „Römerparks Aliso“ den Strukturen der Lagerumwehrung und der Lagergebäude auf den Grund geht. Gut 1.100 Quadratmeter liegen in den nächsten Wochen vor dem Grabungsteam, das Dr. Bettina Tremmel aus dem Referat Provinzialrömische Archäologie des LWL leitet. „Wir untersuchen in diesem Frühjahr die südwestliche Ecke des ehemaligen Hauptlagers“, schildert die Grabungsleiterin. Sie sei gespannt auf die Überraschungen, die während der Ausgrabungen in Haltern schon Tradition hätten.

Viele fleißige Grabungshelfer sind mit den kleinen Schaufeln der großen Baggerschaufel auf der Spur. Unter dem Mutterboden verbergen sich wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse für die Strukturen des römischen Hauptlagers in Haltern. Foto: LWL/B. Tremmel
Viele fleißige Grabungshelfer sind mit den kleinen Schaufeln der großen Baggerschaufel auf der Spur. Unter dem Mutterboden verbergen sich wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse für die Strukturen des römischen Hauptlagers in Haltern.
Foto: LWL/B. Tremmel

Die Ausgräber folgen voraussichtlich bis in den Mai hinein dem Verlauf der Gräben, die das Lager vor feindlichen Angriffen geschützt haben. Hier werden sie auch auf die Reste der Holz-Erde-Mauer stoßen, die das Lager zusätzlich geschützt hat. Im Halterner Boden verbirgt sich an dieser Stelle zudem ein zweites älteres Feldlager der Römer. Hier könnten Backöfen, die für die Versorgung der Truppen dienten, ans Tageslicht kommen. Wichtig sind für die Wissenschaftler jedoch vor allem weitere Erkenntnisse über die Strukturen und den Aufbau der Lagerumwehrung und deren genauen Verlauf.

Das Halterner Lager ist während älterer Ausgrabungen im vergangenen Jahrhundert zwar punktuell mehrfach untersucht und dokumentiert worden. Inzwischen sind jedoch viele neue Forschungsmethoden hinzugekommen, die dabei helfen, noch offene Fragestellungen zu beantworten. Der neue und vollständigste Forschungsstand wird wichtige Grundlage für die geplante Rekonstruktion des West-Tores mit einem angrenzenden Abschnitt der Holz-Erde-Mauer im folgenden Bauabschnitt sein.

Die Ausgrabungen sind auch wichtig für den wissenschaftlichen Nachwuchs. In den kommenden Wochen verstärken studentische Praktikanten der Ruhr-Universität Bochum und aus der niederländischen Universität Deventer die heimischen Archäologen. Sie sammeln in Haltern wichtiges Rüstzeug für ihr Studium und für ihren zukünftigen Beruf. Außerdem leben sie im Grabungshaus im wahrsten Sinne auf geschichtsträchtigem Boden: Die Ausgrabung liegt direkt vor ihren Fenstern, unter dem Haus verläuft der ehemalige Lagergraben.

LWL-Römermuseum
Weseler Str. 100
45721 Haltern am See
Karte und Routenplaner