Kategorie-Archiv: Geschichte

Im Herzen Westfalens

Die Soester Innenstadt mit Blick auf St. Patrokli, ca. 1926. Repro: LWL
Die Soester Innenstadt mit Blick auf St. Patrokli, ca. 1926.
Repro: LWL

Soest (lwl). Über viele Jahre hat das Stadtarchiv Soest historisches Filmmaterial aus der Bördestadt zusammengetragen. Das Material – meist Amateurfilme – ist nun erstmals öffentlich zugänglich und macht die Geschichte der alten Hansestadt lebendig. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat in Zusammenarbeit mit dem Verein für Geschichte und Heimat-pflege Soest sowie dem Stadtarchiv Soest den historischen Filmbestand aufbereitet und auf der DVD „Im Herzen Westfalens. Soest in historischen Filmen“ veröffentlicht.

Der LWL hat jetzt die DVD "Soest in historischen Filmen" herausgegeben. Foto: LWL
Der LWL hat jetzt die DVD „Soest in historischen Filmen“ herausgegeben.
Foto: LWL

In ihrem 35-minütigen Film beleuchtet Filmemacherin Andrea Wirtz die Entwicklung der Stadt Soest über mehrere Jahrzehnte. Die frühesten Bilder aus den 1920er Jahren zeigen das noch beschauliche Leben in der Stadt, die geprägt war von der Reichsbahn als dem wichtigsten Arbeitgeber und der Landwirtschaft im Umland. Mit der Machtergreifung und den Repressalien der Nationalsozialisten änderte sich das Leben in der Bördestadt. Aufmärsche und Hakenkreuze prägten das Gesicht Soests. Die folgenden Kriegszerstörungen veränderten das Stadtbild erheblich. Ein besonderer Schwerpunkt des Films liegt auf der Entwicklung Soests zur Zeit des „Wirtschaftswunders“. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich innerhalb weniger Jahre auf über 40.000 und das kulturelle Leben konnte schnell an die Vielfalt vor dem Krieg anknüpfen. Ein Blick auf die weiteren Entwicklungen bis zu Beginn der 1980er Jahren rundet das Bild ab.

Früher - hier im Jahr 1951 - wie heute ein Anziehungs¬punkt für Soester und Touristen: die Allerheiligenkirmes. Foto: LWL/Klose
Früher – hier im Jahr 1951 – wie heute ein Anziehungs¬punkt für Soester und Touristen: die Allerheiligenkirmes.
Foto: LWL/Klose

Wirtz konnte auf rund 80 Filmdokumente des Soester Stadtarchivs zurückgreifen, die seit 2012 das Filmarchiv des LWL-Medienzentrums schließt und bewahrt. Zudem konnte sie auf die pro-fessionelle Bearbeitung des Filmstudios im LWL-Medienzentrum bauen, wie auch auf die fachliche Unterstützung des Stadtarchivs und des Vereins für Geschichte und Heimatpflege Soest. „Diese gelungene Kooperation steht beispielhaft für fast fünfzig historische Filmschätze, die in der Editionsreihe ‚Westfalen in historischen Filmen‘ neu herausgebracht wurden“, so Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums. „Filme sind eine faszinierende historische Quelle, anschaulich und unmittelbar ermöglichen sie die Begegnung mit Geschichte: mit längst vergangenen Zeiten, verschwundenen Gebäuden und Ortsbildern und nicht zuletzt mit den Menschen und ihrem Alltag im Wandel der Zeiten. Der historische Film ist damit ein einzigartiger Spiegel der kollektiven Erinnerung.“

Neben dem Hauptfilm stellt die DVD drei Filmdokumente im Original zur Verfügung: Den Stummfilm „Kennst du deine Heimat? Soest – die westfälische Hansastadt“ aus dem Jahr 1928, den Dokumentarfilm „Westfalens mittelalterliches Herz“ von 1952 und den Film „Sauster Kiämesse“. Die Amateuraufnahmen entstanden 1956 bis 1959 und zeigen Bilder von der Allerheiligenkirmes.

Im Herzen Westfalens
Soest in historischen Filmen

DVD mit Begleitheft, Preis 14,90 Euro,
Hauptfilm: 35 Min. s/w und Farbe; drei historische Filme: zusammen ca. 45 Min., s/w
Bezug: LWL-Medienzentrum für Westfalen, Fürstenbergstraße 14 in 48147 Münster,
E-Mail: medienzentrum@lwl.org, http://www.westfalen-medien.lwl.org

LWL-Einrichtung:
LWL-Medienzentrum für Westfalen

„Und alles lebt, was einst mit mir hier lebte“

Die Autorin J. Monika Walther ist eine der bekanntesten deutschen Hörspielautorinnen. Foto: Barbara Dietl, Berlin
Die Autorin J. Monika Walther ist eine der bekanntesten deutschen Hörspielautorinnen.
Foto: Barbara Dietl, Berlin

Westfalen (lwl). Mit einem neuen Hörbuch widmet sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) der jüdischen Geschichte in Westfalen und behandelt sie von den Anfängen im Mittelalter bis hin zur Gegenwart heutiger jüdischer Gemeinden. Die vom LWL-Medienzentrum für Westfalen gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten produzierte Audio-CD „‚Und alles lebt, was einst mit mir hier lebte‘. Westfälische Heimat – Jüdische Nachbarn“ erzählt die Geschichte der westfälischen Juden aus der Perspektive und mit den Worten jüdischer Zeitzeugen und schafft damit eine Ton-Collage.

Autorin des neuen Mediums ist mit J. Monika Walther eine der bekanntesten deutschen Hörspielautorinnen. In ihrem gut 100-minütigen Feature reduziert sie die jüdisch-westfälische Geschichte nicht auf den Holocaust, sondern erzählt eine umfassende jüdische Geschichte in Westfalen – von Erfahrungen des Zusammenlebens von Juden und Nichtjuden, von virulentem Antisemitismus, von rechtzeitiger Flucht, vom Leben in der Emigration und der Sehnsucht nach der westfälischen Heimat, von Deportation und Mord. Und von einer Rückkehr der Überlebenden und dem Wiederaufbau jüdischen Lebens nach dem Holocaust – von einem Neubeginn.

Der LWL hat jetzt die Audio-CD "Und alles lebt, was einst mit mir hier lebte" herausgegeben. Foto: LWL
Der LWL hat jetzt die Audio-CD „Und alles lebt, was einst mit mir hier lebte“ herausgegeben.
Foto: LWL

Am Donnerstag, 25. September, um 19.30 Uhr wird die Doppel-CD im Jüdischen Museum in Dorsten erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach der Begrüßung durch Dr. Norbert Reichling, Leiter des Jüdischen Museums Westfalen, und Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen, wird Autorin neben der medialen Präsentation der CD auch Ausschnitte aus dem Hörbuch lesen. Der Eintritt von 5 Euro kommt dem Verein für jüdische Geschichte und Religion e.V. in Dorsten zugute. Im Anschluss an die Präsentation besteht Gelegenheit zum Gespräch und zum Kauf der CD.

Hintergrund
Mit dem Hörbuch „Westfälische Heimat – Jüdische Nachbarn“ setzt das LWL-Medienzentrum für Westfalen die Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten fort, die seit 2005 in verschiedenen Medienproduktionen der vergangenen Jahre zur jüdisch-westfälischen Geschichte ausgebaut wurde. Das Hörbuch entstand im Rahmen des Projekts „Heimatkunde“, an dem das Dorstener Jüdische Museum seit dem Jahr 2011 mit finanzieller Förderung der LWL-Kulturförderung arbeitet. Das Projekt möchte eine neue Blickrichtung auf jüdisch-nichtjüdische Nachbarschaft und ihr Zerbrechen im 19. und 20. Jahrhundert geben.

„Und alles lebt, was einst mit mir hier lebte“
Westfälische Heimat – Jüdische Nachbarn
Audio-CD mit Begleitheft, ca. 102 Min.
Preis 14,90 Euro, Bezug LWL-Medienzentrum, Fürstenbergstr. 14, 48147 Münster
E-Mail: medienzentrum@lwl.org, Fax: 0251 591-3982, http://www.westfalen-medien.lwl.org

LWL-Einrichtung:
LWL-Medienzentrum für Westfalen
Fürstenbergstr. 14
48147 Münster
Karte und Routenplaner

Vor 50 Jahren: Frühjahrssend in Münster

Send 1964. Foto: Stadtmuseum / Sammlung W. Hänscheid
Send 1964. Foto: Stadtmuseum / Sammlung W. Hänscheid

Das Frühjahr war weit und breit nicht in Sicht beim Send in Münster vor 50 Jahren. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt packten die Händler auf dem Pottmarkt (Foto) ihre Waren aus. Es dauerte damals Tage, ehe das riesige Angebot an Töpfen, Vasen, Tassen, Tellern für den Beginn der Kirmes am 5. März 1964 sortiert war. In den 1960er Jahren war der Kauf von Keramik und Porzellan auf dem Send weitverbreitet. Weitere Ereignisse jener Dekade aus Alltag, Politik, Kultur und Freizeit präsentiert das Stadtmuseum in seiner Fotoausstellung „Vor 50 Jahren“. Münsters diesjähriger Frühjahrssend startet übrigens am 22. März.

Frauenschicksale in der Nachkriegszeit

Den Titel „´Egal, was kommt! Durch!´ – Überlebensstrategien ostwestfälischer und lippischer Frauen nach 1945“ trägt ein Referat, das Dr. Hans-Jörg Kühne am Mittwoch, 26. Februar, um 20.00 Uhr im Stadtarchiv Bielefeld (Kavalleriestraße 17, 2. Obergeschoss, Veranstaltungssaal SO2) hält.

Der Mann gefallen, verschollen oder in Kriegsgefangenschaft, das eigene Haus im Bombenkrieg zerstört, nagender Hunger und das Eintreffen zahlloser Flüchtlinge und Vertriebener, mit denen das Wenige, was übrigblieb, auch noch geteilt werden musste. So oder ähnlich lässt sich die Lebenssituation vieler ostwestfälischer und lippischer Frauen nach 1945 beschreiben. Dass sie angesichts dessen nicht resignierten und die Hände in den Schoß legten, sondern die Probleme angingen und lösten, gehört – aus heutiger Sicht – zu ihrer großen Lebensleistung.

Der Bielefelder Historiker Dr. Hans-Jörg Kühne befasst sich in seinem Vortrag mit dieser Zeit und ihren ganz besonderen Anforderungen. Außerdem sind mit Lore Wegener und Anneliese Vormbrock (beide Bielefeld) zwei Zeitzeuginnen eingeladen, die über diesen schweren und schwierigen Lebensabschnitt berichten und ihre damaligen, ganz eigenen Überlebensstrategien dem Publikum erklären werden.

Am Vortragstag ist die laufende Ausstellung „40 Frauen – Das Überleben organisieren. Ostwestfälische und lippische Frauenschicksale 1945-1949“ zusätzlich von 18.30 bis 19.45 Uhr geöffnet; ab 19.00 Uhr findet eine Führung statt (Eingang jeweils über die Kavalleriestraße 17).

Diese Ausstellung des Literaturzirkels OWL e.V. wird bis zum 10. März (montags von 14.00 bis 18.00 Uhr, dienstags bis freitags von 11.00 bis 18.00 Uhr und samstags von 11.00 bis 14.00 Uhr) gezeigt.