Kategorie-Archiv: Geschichte Ruhrgebiet

„Und alles lebt, was einst mit mir hier lebte“

Die Autorin J. Monika Walther ist eine der bekanntesten deutschen Hörspielautorinnen. Foto: Barbara Dietl, Berlin
Die Autorin J. Monika Walther ist eine der bekanntesten deutschen Hörspielautorinnen.
Foto: Barbara Dietl, Berlin

Westfalen (lwl). Mit einem neuen Hörbuch widmet sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) der jüdischen Geschichte in Westfalen und behandelt sie von den Anfängen im Mittelalter bis hin zur Gegenwart heutiger jüdischer Gemeinden. Die vom LWL-Medienzentrum für Westfalen gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten produzierte Audio-CD „‚Und alles lebt, was einst mit mir hier lebte‘. Westfälische Heimat – Jüdische Nachbarn“ erzählt die Geschichte der westfälischen Juden aus der Perspektive und mit den Worten jüdischer Zeitzeugen und schafft damit eine Ton-Collage.

Autorin des neuen Mediums ist mit J. Monika Walther eine der bekanntesten deutschen Hörspielautorinnen. In ihrem gut 100-minütigen Feature reduziert sie die jüdisch-westfälische Geschichte nicht auf den Holocaust, sondern erzählt eine umfassende jüdische Geschichte in Westfalen – von Erfahrungen des Zusammenlebens von Juden und Nichtjuden, von virulentem Antisemitismus, von rechtzeitiger Flucht, vom Leben in der Emigration und der Sehnsucht nach der westfälischen Heimat, von Deportation und Mord. Und von einer Rückkehr der Überlebenden und dem Wiederaufbau jüdischen Lebens nach dem Holocaust – von einem Neubeginn.

Der LWL hat jetzt die Audio-CD "Und alles lebt, was einst mit mir hier lebte" herausgegeben. Foto: LWL
Der LWL hat jetzt die Audio-CD „Und alles lebt, was einst mit mir hier lebte“ herausgegeben.
Foto: LWL

Am Donnerstag, 25. September, um 19.30 Uhr wird die Doppel-CD im Jüdischen Museum in Dorsten erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach der Begrüßung durch Dr. Norbert Reichling, Leiter des Jüdischen Museums Westfalen, und Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen, wird Autorin neben der medialen Präsentation der CD auch Ausschnitte aus dem Hörbuch lesen. Der Eintritt von 5 Euro kommt dem Verein für jüdische Geschichte und Religion e.V. in Dorsten zugute. Im Anschluss an die Präsentation besteht Gelegenheit zum Gespräch und zum Kauf der CD.

Hintergrund
Mit dem Hörbuch „Westfälische Heimat – Jüdische Nachbarn“ setzt das LWL-Medienzentrum für Westfalen die Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten fort, die seit 2005 in verschiedenen Medienproduktionen der vergangenen Jahre zur jüdisch-westfälischen Geschichte ausgebaut wurde. Das Hörbuch entstand im Rahmen des Projekts „Heimatkunde“, an dem das Dorstener Jüdische Museum seit dem Jahr 2011 mit finanzieller Förderung der LWL-Kulturförderung arbeitet. Das Projekt möchte eine neue Blickrichtung auf jüdisch-nichtjüdische Nachbarschaft und ihr Zerbrechen im 19. und 20. Jahrhundert geben.

„Und alles lebt, was einst mit mir hier lebte“
Westfälische Heimat – Jüdische Nachbarn
Audio-CD mit Begleitheft, ca. 102 Min.
Preis 14,90 Euro, Bezug LWL-Medienzentrum, Fürstenbergstr. 14, 48147 Münster
E-Mail: medienzentrum@lwl.org, Fax: 0251 591-3982, http://www.westfalen-medien.lwl.org

LWL-Einrichtung:
LWL-Medienzentrum für Westfalen
Fürstenbergstr. 14
48147 Münster
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Die Geschichte des Fußballs im Revier

Das Ruhrgebiet steht für Arbeit, Migration – und Fußball. So wie zum Ende des 19. Jahrhunderts das runde Leder aus England ins Ruhrgebiet migrierte, kamen Millionen Menschen aus verschiedenen Regionen und Ländern ins Revier. Vor allem polnische und türkische Migranten und deren Nachkommen haben nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Fußball im Ruhrgebiet geprägt: von der untersten Kreisklasse bis zu den Traditionsvereinen der Bundesliga.

Die Geschichte des Fußballs im Revier ist eng mit der Geschichte von Zuwanderung und Integration verknüpft. Das Foto zeigt das neben der Zeche Mont Cenis in Herne gelegene Stadtion des SV Sodingen während eines Spiels in den 1950er Jahren. Foto: Stadt Herne
Die Geschichte des Fußballs im Revier ist eng mit der Geschichte von Zuwanderung und Integration verknüpft. Das Foto zeigt das neben der Zeche Mont Cenis in Herne gelegene Stadtion des SV Sodingen während eines Spiels in den 1950er Jahren. Foto: Stadt Herne

Idealtypisch dafür stehen Ernst Kuzorra und Mesut Özil, der eine Sohn ostpreußischer, der andere türkischer Einwanderer. Beide sind in Gelsenkirchen geboren, standen bei Schalke 04 auf dem Platz und wurden zu Schlüsselspielern der deutschen Nationalmannschaft.

Wie haben Zuwanderung und Fußballsport das Ruhrgebiet geprägt? Welche Bedeutung haben Sport und Integration für die Gesellschaft in Vergangenheit und Gegenwart?

Diesen Fragen gingen jetzt rund 30 Experten der Fachtagung „Von Kuzorra bis Özil“ im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund nach. Die Tagung war eine Kooperation zwischen der Friedrich-Ebert-Stiftung, dem Verein DOMID (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland) sowie dem Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Historiker, Kulturwissenschaftler und Fußballexperten beleuchteten in Vorträgen und Diskussionen die Geschichte von Migration und Fußball im Ruhrgebiet. Auf der Tagesordnung standen Themen wie „100 Jahre Fußball und Migration in Deutschland“, „Jüdischer Fußball im Ruhrgebiet“. „Migration und Frauenfußball“, „Polen deutsche Meister – Die deutsch-polnische Zeitungskontroverse“ oder „Fußball und Rassismus“.

Die Tagung diente zur Vorbereitung einer gleichnamigen Ausstellung, die das LWL-Industriemuseum ab Frühjahr 2015 auf der Zeche Hannover in Bochum zeigen wird. Anhand des Querschnittsthemas Fußball will die Schau einen neuen und erfrischenden Blick auf den Alltag und die Geschichte von Migration, Integration und Identitat im Ruhrgebiet richten.

In gleichem Ausmaß wie die Karriere- und Lebenswege von Vorbildern aus dem Profifußball wie Kuzorra, Özil oder Podolski sollen die Geschichten von Amateurspielern im Ruhrgebiet dargestellt werden. Im Sinne der „Helden der Kreisklasse“ will die Schau eine lokale Alltagsgeschichte erzählt werden, die die unterschiedlichen Wege der „Integration vor Ort“ nachzeichnet. „Wichtig ist uns dabei, möglichst viele Perspektiven mit einzubeziehen: verschiedene Generationen, unterschiedliche Kulturen und beide Geschlechter“, so Dietmar Osses, Leiter des LWL-Industriemuseums Zeche Hannover in Bochum.

LWL-Einrichtung:
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Grubenweg 5
44388 Dortmund
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