Berthold Beitz – ein bewegtes Leben

Das Gemälde von Alexander Dettmar zeigt das Geburtshaus Berthold Beitz in Zemmin.
Das Gemälde von Alexander Dettmar zeigt das Geburtshaus Berthold Beitz in Zemmin.

Am 26. September 2013 wäre Berthold Beitz 100 Jahre alt geworden. Er starb am 30. Juli 2013, nur wenige Wochen vor seinem Geburtstag.

Nach Kriegsausbruch sandten ihn seine Arbeitgeber, die Deutsche Shell, in die polnischen Erdölfelder. Als Rüstungsdirektor sollte er die für die deutsche Kriegswirtschaft so wichtigen Rohölreserven ausbeuten. Nach zwei Stationen kam das Ehepaar Beitz im Juli 1941 in Boryslaw, einem Ort in der heutigen Ukraine, an. Dort wurden sie Zeugen brutaler Pogrome. Von Anfang an entschied sich Beitz für einen menschlichen und würdigen Umgang mit den jüdischen Zwangsarbeitern. Als die Deportationen begannen, versuchte er möglichst viele seiner Arbeiterinnen und Arbeiter als unabkömmlich einzustufen und sie so vor der Verschleppung zu schützen bzw. stellte immer wieder neues Personal ein. So gelang ihm die Rettung einiger Hundert Menschen. Für diese Rettungsaktionen, bei denen das Ehepaar Beitz, auch seine Frau half mit, ihre Freiheit und sogar ihr Leben riskierten, ernannte sie die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zu „Gerechten unter den Völkern“.

Das Bild zeigt die Lange Brücke von Stettin, gemalt von Alexander Dettmar. Stettin war eine der frühen beruflichen Stationen von Berthold Beit.
Das Bild zeigt die Lange Brücke von Stettin, gemalt von Alexander Dettmar. Stettin war eine der frühen beruflichen Stationen von Berthold Beit.

Nach Kriegsende lernte Berthold Beitz Alfried Krupp von Bohlen und Halbach kennen und wurde in den 1950er Jahren sein Generalbevollmächtigter. Gemeinsam mit ihm baute er den Krupp-Konzern wieder auf und wandelte nach dem Tod Alfried Krupps das Kruppsche Familienvermögen in eine Stiftung um. Bis zuletzt blieb Beitz ein einflussreicher Industrieller in der Montanindustrie des Ruhrgebiets. Als Testamentsvollstrecker des Krupp-Erbes und Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hat er während des Niedergangs der Montanindustrie in nunmehr fünf Jahrzehnten den Strukturwandel im Ruhrgebiet wesentlich mitbestimmt und den Umbau zu einer Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturregion mitbetrieben.

Die Dorfkirche von Zemmin, dem Geburtsort von Berthold Beitz, gemalt von Alexander Dettmar im August 2013
Die Dorfkirche von Zemmin, dem Geburtsort von Berthold Beitz, gemalt von Alexander Dettmar im August 2013

Alexander Dettmar hat in den vergangenen Jahren immer wieder in der pommerschen Heimat von Beitz gemalt. Berthold Beitz fühlte sich dieser Region, insbesondere Greifswald und der dortigen Universität bis zuletzt sehr verbunden. Die Ausstellung legt bei der Auswahl der Bilder daher ihren Fokus auf Pommern. Gezeigt werden unter anderem Ansichten aus Stralsund, Greifswald und Szczecin, dem heute zu Polen gehörenden früheren Stettin, und aus Zemmin, dem Geburtsort von Berthold Beitz. Der Ernst-Berlach-Preisträger Dettmar war vor einem Jahr mit der Idee zu dieser Hommage an das Jüdische Museum Westfalen herangetreten.

Dort stieß die Idee sofort auf Zustimmung, hatte doch das Museum von der Krupp-Stiftung und damit von Berthold Beitz mehrfach Unterstützung erfahren. Zudem ist es für das Museum eine ehrenvolle Aufgabe einen „Gerechten unter den Völkern“ mit dieser Hommage zu würdigen. Nach bisherigen Recherchen scheint es sich bei dieser Hommage auch um die einzige Ausstellung zu Ehren von Berthold Beitz zu seinen 100. Geburtstag zu handeln.

Ergänzt wird die Ausstellung um einige Texttafeln, die das Leben und die Leistungen, vor allem die mutigen Rettungsaktionen, von Berthold Beitz beschreiben. Den Einführungsvortrag hält Dr. Joachim Käppner, der 2010 eine umfangreiche Biografie über Beitz veröffentlicht hat. Käppner ist Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung in München.

Die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen Frau Hannelore Kraft würdigt ihrerseits in einem Grußwort zur Ausstellung die Lebensleistung von Berthold Beitz.

Die Ausstellung ist bis zum 19. Januar 2014 zu sehen.

Link: www.jmw-dorsten.de

 

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